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Quelle: pixabay
where
Berlin · Deutschland
when
1970 – 2017
writing
-ky (Pseudonym von Horst Bosetzky) (*1938 †2018)
acting
Hans-Jürgen Mannhardt, Kriminalkommissar bei der Berliner Mordkommission
(später im Ruhestand: Dozent und Privatdetektiv)
background
Es beginnt alles im Deutschland der 70er Jahre. Berlin, die geteilte Stadt, hat viele Problemzonen, soziale Brennpunkte und soziale Spannungen kommen immer wieder hoch. Mittendrin lebt das Verbrechen, das oft sehr klein beginnt und sich dann explosionsartig ausbreitet. Mittendrin ist auch Kommissar Mannhardt, der es immer wieder mit Kleinkriminellen aller Schattierungen und vielen Möchte-gern-Kriminellen zu tun bekommt, denen alles über den Kopf wächst. Dann kommen die 80er Jahre, die 90er Jahre, Berlin wird wiedervereint – aber nichts wird besser. Mannhardt geht schließlich in den Ruhestand, aber das Verbrechen lässt ihn nicht los.
All begins in Germany in the 70s. Berlin, the divided city, has many problem areas, social hotspots and tensions come up again and again. In the middle of it all lives crime, which often starts very small and then spreads explosively. Inspector Mannhardt is also in the thick of it, dealing time and again with petty criminals of all shades and many would-be criminals who are in over their heads. Then come the 80s, the 90s, Berlin is reunited – but nothing gets better. Mannhardt finally retires, but crime won’t let him go.
series
- Zu einem Mord gehören zwei (1971)
- Ein Toter führt Regie (1974)
- Einer will’s gewesen sein (1978)
- Feuer für den großen Drachen (1982)
- Friedrich der Große rettet Oberkommissar Mannhardt (1985)
- Da hilft nur noch beten (1988)
- Nieswand kennt Tag und Stunde (1990)
- Ich wollte, es wäre Nacht (1991)
- Ein Deal zuviel (1992)
- Mit dem Tod auf du und du (1992)
- Blut will der Dämon (1993)
- Fendt hört mit (1994)
- Der Satansbraten (1994)
- Unfassbar für uns alle (1995)
- Ein Mann fürs Grobe (1996)
- Einer muss es tun (1998)
- Alle meine Mörder (2001)
- Das Double des Bankiers (2002)
- Nichts ist verjährt (2008)
- Unterm Kirschbaum (2009)
- Am Tag, als Walter Ulbricht starb (2010) – mit Co-Author: Jan Eik (Helmut Eikermann)
- Promijagd (2010)
- Witwenverbrennung (2015)
- Eingebunkert (2016)
- Teufelssee (2017)
- Abgerechnet wird zum Schluss (2018)
- Selbst ist der Mörder (2018)
- Im Wahn des Herrn (2019)
originally written in
deutsch

Marlowe thinks …
A Life and Berlin
Mannhardt (Hans-Jürgen or Hansjürgen) investigates murder cases in Berlin. The setting alone shows that there is always more than enough work for a detective superintendent.
His first cases date from the 1970s, when Berlin was still a divided city with social hotspots and student unrest. That didn’t change much in the 80s. Then finally came reunification and the Berlin Wall fell. Mannhardt has climbed the career ladder in the meantime, is still active, even if he is slowly heading for retirement. Eventually he retires, but continues to work blithely … (as a private detective!)
He is a part-time lecturer at the College of Administration and Justice, where he lets prospective criminal investigators benefit from his decades of experience. Of course, he can’t help it and gets involved every now and then when there is an interesting murder case. This almost always happens to the annoyance of his successor, or rather the successor team, consisting of Detective Chief Inspector Gunnar Schneeganß and Jessica Schamp (formerly of East Berlin, lesbian). Mannhardt receives support from his grandson Orlando, an aspiring law student (until he drops out … wants to become a detective … finally pursues a completely different career …).
Mannhardt has witnessed Berlin’s history over the past decades and actively contributed to it. His marriage fell apart … He only kept in touch with his grandson … and finally he found a new partner. In the meantime, he enjoys life … doesn’t he? There is no such thing as boredom: he is always engaged in a current case.
I read the novels about Mannhardt in the 70s and 80s. They reminded me of the socially critical novels by Sjöwall/Wahlöö. In the series about Mannhardt, too, the author always dives deep into the social structures and tries not only to solve the criminal case, but also to portray the background and people involved in the crime in quite a broad way.
A novel is therefore always more than just the hunt for the perpetrator, because there is more than just one perpetrator. The social environment often shapes the perpetrator – just as it characterises the victim. In addition, there are enough subplots that also influence and control the crime, even if the perpetrator and the victim do not necessarily notice it directly.
Everyone is guilty – and innocent at the same time. No one lives for himself alone, but his environment sets rules and is defined by the actions of others, even complete strangers. Everyone pursues their own goal – by any means necessary. Everyone seems to be on the edge of legality all the time, or every now and then. All try to hide this – no matter what the cost. It all smells like collateral damage for miles around. In the end, there is always a corpse or even several.
At this point Mannhardt comes into play and tries to resolve the whole situation with all those involved or apparently not involved. And he always tries to remain human – which is not so easy.
Social hotspots, social failure, lame bureaucrats who like to turn a blind eye, bribable local politicians, local business tycoons, lazy policemen who like to hold out their hand: everyone always plays along somehow and provides fuel for the fire. Berlin is no idyll – and the world remains as bad as it is.
Many people appear in the novels who like to be introduced intensively. This leads to a density of the narrative that can be confusing if one does not read with great concentration. The whole picture conveyed in the novel becomes complex, more complex … In addition, there is a strong fixation on the transport options in Berlin (in detail!) and the road network when one goes from A to B – at least in the last novels, which in my view is a bit too much of a good thing.
Ein Leben mit Berlin
Mannhardt (Hans-Jürgen oder Hansjürgen) ermittelt in Mordfällen in Berlin. Schon der Schauplatz zeigt, dass es hier immer mehr als genug Arbeit für einen Kriminalkommissar gibt.
Seine ersten Fälle stammen aus den 70er Jahren, als Berlin noch eine geteilte Stadt mit sozialen Brennpunkten und Studentenunruhen war. Daran änderte sich in den 80er Jahren nicht viel. Dann schließlich kam die Wiedervereinigung und die Berliner Mauer fiel. Mannhardt ist inzwischen die Karriereleiter hinaufgeklettert, ist immer noch aktiv, auch wenn er langsam auf die Pensionierung zusteuert. Schließlich wird er pensioniert, arbeitet aber munter weiter … (als Privatdetektiv!)
Er ist nebenberuflich Dozent an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, wo er angehende Kriminalbeamte in den Genuss seiner jahrzehntelangen Erfahrung kommen lässt. Natürlich kann er es auch nicht lassen und mischt immer mal wieder mit, wenn es einen interessanten Mordfall gibt. Dies geschieht fast immer zum Ärger seines Nachfolgers, bzw. des Nachfolge-Teams, bestehend aus Kriminalhauptkommissar Gunnar Schneeganß und Jessica Schamp (ehemals Ostberlin, lesbisch). Unterstützung erhält Mannhardt dabei von seinem Enkel Orlando, einem aufstrebenden Studenten der Rechtswissenschaft (bis er das Studium abbricht … Kriminalbeamter werden will … schließlich ein ganz anderes Berufsziel verfolgt …).
Mannhardt hat die Geschichte Berlins in den letzten Jahrzehnten miterlebt und aktiv seinen Beitrag geleistet. Seine Ehe ging in die Brüche … Kontakt hielt er nur zu seinem Enkel … und schließlich fand er eine neue Partnerin. Inzwischen genießt er das Leben … oder? Langeweile gibt es nicht: immer wieder engagiert er sich in einem aktuellen Fall.
Ich habe in den 70er und 80er Jahren die Romane über Mannhardt gelesen. Sie erinnerten an die sozialkritischen Romane von Sjöwall/Wahlöö. Auch in der Serie über Mannhardt taucht der Autor immer tief in die Sozialstrukturen ab und versucht, nicht nur den Kriminalfall zu lösen, sondern auch den Hintergrund und in das Verbrechen verwickelten Personen in ziemlicher Breite darzustellen.
Ein Roman ist daher immer mehr als nur die Jagd nach dem Täter, denn es gibt mehr als nur einen Täter. Das soziale Umfeld prägt häufig den Täter – genauso wie es das Opfer charakterisiert. Daneben gibt es genügend Nebenkriegsschauplätze, die ebenfalls die Tat beeinflussen und steuern, auch wenn es Täter und Opfer nicht unbedingt direkt merken.
Alle sind schuldig – und unschuldig zugleich. Niemand lebt für sich allein, sondern sein Umfeld legt Regeln fest und wird durch die Taten anderer, auch völlig Fremder, definiert. Jeder verfolgt sein eigenes Ziel – mit allen Mitteln. Alle scheinen sich immer bzw. immer mal wieder am Rande der Legalität zu bewegen. Alle versuchen dies zu verbergen – koste es, was es wolle. Das alles riecht meilenweit nach Kollateralschäden. Am Ende gibt es immer ein Leiche oder auch mehrere.
An diesem Punkt kommt Mannhardt ins Spiel und versucht die ganze Situation mit allen Beteiligten bzw. allen scheinbar Nicht-Beteiligten aufzulösen. Und immer versucht er, Mensch zu bleiben – was nicht so einfach ist.
Soziale Brennpunkte, soziales Versagen, lahme Bürokraten, die gern die Augen verschließen, bestechliche Lokalpolitiker, lokale Wirtschaftsmagnaten, träge Polizisten, die gern die Hand aufhalten: alle spielen immer irgendwie mit und sorgen für Zündstoff. Berlin ist keine Idylle – und die Welt bleibt so schlecht, wie sie ist.
In den Romanen tauchen viele Personen auf, die gern intensiv vorgestellt werden. Dies führt zu einer Dichte der Erzählung, die verwirren kann, wenn man nicht sehr konzentriert liest. Das gesamte Bild, das im Roman vermittelt wird, wird komplex, komplexer … Hinzu kommt eine starke Fixierung auf die Verkehrsmöglichkeiten in Berlin (im Detail!) und das Straßennetz, wenn es Daum geht von A nach B zugegangen – zumindest in den letzten Romanen, was aus meiner Sicht etwas zuviel des Guten ist.
