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madame le juge mathilde de boncourt

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Quelle: pixabay

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Der Nieselregen wurde mittlerweile von einem starken Wind begleitet, der durch den Boulevard des Arènes strich. Mathilde griff in die Innentasche ihrer Robe und zog ihre Gauloises blondes und ein Feuerzeug hervor. Vor ein paar Monaten hatte sie noch überlegt, ihrer Lieblingszigarette untreu zu werden, als bekannt geworden war, dass man die Produktion von Nantes ins Ausland verlegen wolle. Aber keine Zigarette konnte mit der Blonden mithalten. Mathilde steckte sich die Zigarette zwischen die Lippen und entfachte ihr Feuerzeug. Ein Windstoß ließ die Flamme sofort wieder ersterben. Sie setzte erneut an, und wieder war die Flamme nach kurzem Aufflackern erloschen. Sie versuchte, das Feuerzeug mit der Hand abzuschirmen, doch die Windböen, die jetzt noch vehementer durch die Straße fegten, ließen ihr keine Chance. Mathilde wandte sich seitlich ab, versuchte, mit ihrem Körper das aufzüngelnde Flämmchen zu schützen. Nur dieser spontanen Drehung hatte die Untersuchungsrichterin ihr Leben zu verdanken.
Sie hatte das Motorrad, das sich von rechts mit rasender Geschwindigkeit näherte, nicht bemerkt. Der erste Schuss fiel um 17.06 Uhr, riss Mathilde von den Beinen, die Kugel hatte ihre Schulter durchschlagen. Den Bruchteil einer Sekunde später zerfetzte eine zweite Kugel ihre Oberschenkelarterie. Eine dritte Kugel schlug hinter ihr in den linken Pfeiler des Eingangs zum Palais de Justice ein, sie hatte Mathildes Schädeldecke nur um Millimeter verfehlt.

aus: Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard

Die Frau mit ausgewählten Leidenschaften

Die Serie um die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt beginnt mit einem großen Knall: Mathilde wird bei einem Attentat schwer verwundet und muss für Monate aufs Krankenlager. Trotz allem: es ist ein angenehmes Krankenlager. Mathilde de Boncourt entstammt einer adligen Familie, in deren Besitz sich immer noch ein Chateau mit Weingut befindet, wo Mathilde nicht nur ihrer Genesung entgegensieht, sondern wo sie auch sonst ihre Wochenenden zu verbringen pflegt. Umsorgt wird sie von einer langjährigen Haushälterin/Köchin, die auch für den Rest der Familie und ihre Wünsche immer ein offenes Ohr hat. Sagte ich schon, dass sie eine geniale Köchin ist? Stellt euch ein Leben wie Gott in Frankreich vor …

Mathilde hat einen Fall vor Gericht gebracht, in den einflussreiche Persönlichkeiten verwickelt sind. Wie sich zeigt, nicht nur die beiden Angeklagten, sondern noch einige andere, die viel zu verlieren haben. Es geht um Kindesmissbrauch, Menschenhandel, moderne Sklaverei und Prostitution. Anscheinend waren die Hintermänner der Meinung, Mathilde ausschalten zu müssen, was aber nicht ganz so geklappt hat, wie sie es geplant hatten. Sie sind allerdings erfolgreicher, als es um die Beseitigung von Opfern und Zeugen geht.

Kurz gesagt: Das Attentat wird nicht aufgeklärt – zumindest in den ersten vier Bänden der Serie nicht. Wer weiß, was noch kommt. Demnächst. Ich fand es etwas seltsam, dass ein Attentat auf eine Richterin so einfach und schnell ad acta gelegt wird … und auch, dass Mathilde kaum mehr Aktivität zeigt …

Mathilde ist Mitte/Ende Dreißig und lebt allein. Sie geht auf in ihrem Job als Untersuchungsrichterin und genießt ihre Ruhe auf dem Chateau ihrer Familie. Sie ist Kettenraucherin. Und sonst?

Es gibt zwei Männer in ihrem Umfeld, die ihr nahe stehen. Einen bezeichnet sie inzwischen als guten Freund, mit dem sie gern mal zu Abend isst, Wein trinkt und lange Gespräche führt. Der andere ist ihr unterstellt, ein Commandant der Polizei: beide tänzeln umeinander herum, kommen sich näher, aber nie so nah … Kurz gesagt: Mathilde hat kein Liebesleben.

Sie arbeitet intensiv und mit großer Energie. Ihr Team, bestehend aus drei (vielleicht bald vier) Mitarbeitern, ist gut und erfahren. Mathilde hat keinen Chef – also Mathilde muss niemandem Rechenschaft ablegen, was sie tut und wieviel Ermittlungsarbeit sie in einzelne Fälle investiert: ein nahezu paradiesischer Zustand.

Mathilde lebt in Südfrankreich und genießt es. Stress ist ein Fremdwort, was im Vergleich anderen Romanfiguren im gleichen Milieu durchaus erfreulich ist. (Allgemein scheint es so, dass in Südfrankreich die Uhren, was Kriminalfälle betrifft, etwas langsamer gehen.) Mathilde scheint selten vor zehn Uhr morgens im Büro aufzutauchen. Ihre Fälle gehen zwar unter die Haut, ob es sich nun um Pädophilienringe oder elitäre Sekten handelt, ob es um Rache, Eifersucht und Dominanz oder einen internationalen Schmugglerring geht – auch wenn es manchmal etwas gekünstelt wirkt. Am Ende bleibt festzustellen, dass auch im beschaulichen Südfrankreich, einem Landstrich mit mehr Kultur und Geschichte, als gemeinhin vermutet wird, kriminelle Machenschaften zum Zuge kommen, die brutal so manche Idylle zerstören.

Ich hatte mir die Romane als Urlaubslektüre gekauft – zwar nicht für einen Urlaub in Südfrankreich, aber am Mittelmeer. Es war eine angenehme Lektüre, die Lust auf Südfrankreich und eine Entdeckungsreise durch die südlichen Gefilde macht, speziell, da es viele Hinweise auf die Landschaft, ihre Geschichte und ihre Architektur gibt.

… noch eines: Die Autorin ist Deutsche.

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare