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kommissarin teresa battaglia, friaul

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Der Körper lag auf dem mit Frost bedeckten Gras, die Blässe der Sonne schuf einen starken Kontrast zu den schwarzen Haaren am Kopf und den Genitalien. Unter all dem das dunkle Grün der Vegetation der Berge.  …
Der Mann lag auf dem Rücken, die Arme an den Seiten ausgestreckt und die Hände ruhten auf Kissen von Moos. Es gab keine Kratzer am ganzen Körper.  …
Es wirkte wie ein Gemälde, mit einer Farbpalette aus kalt gewordenem Blut, leeren Adern und steifen Gliedmaßen.  …
Das Gesicht des Mannes war brutal zerstört worden, aber der Rest des Körpers schien unversehrt zu sein.  …
»Der Mörder hat das Opfer entkleidet und so aufgebahrt.«  …
»Ich kann keine Anzeichen von sexueller Aktivitäten erkennen, aber trotzdem hat  der Mörder das Opfer ausgezogen.«  …
»Der Mörder war zu Fuß unterwegs. Die Fußspuren führen in den Wald.«  …
»Die Augen«, antwortete Teresa. »Wir haben sie noch nicht gefunden.«

aus „Eiskalte Hölle“ (eigene Übersetzung)

In den tiefen Tälern der Schuld und des Vergessens

Als ich anfing, den Roman zu lesen, dachte ich schon ziemlich früh: Hier kommt der nächste Psychopathen, der eine erbärmliche Kindheit erlebt und eine desolate Erziehung genossen hat, und nun plötzlich Amok läuft, um sich seine lange unterdrückten Sehnsüchte zu erfüllen… töten, seine Opfer zur Schau stellen, seine Opfer verstümmeln, um eine ganz private Sammlung von speziellen Erinnerungsstücken zu schaffen. Doch schon bald bemerkte ich, dass hinter dem Ausbruch von Gewalt in diesem einsamen Teil der italienischen Alpen mehr steckt.

Zuerst werden wir ins Jahr 1978 in ein Waisenhaus nach Österreich geführt, wo eine seltsame Art der Kinderbetreuung alltäglich zu sein scheint. Während des Romans werden wir erfahren, dass das Waisenhaus noch im selben Jahr nach einer Razzia der Polizei geschlossen wurde, um… wen zu retten? Heute werden dann Menschen getötet, verstümmelt und zurückgelassen, um gefunden zu werden… und schließlich verschwindet ein Baby. Wie passen diese Geschehnisse zusammen?

Es ist Anfang Winter und es wird von Tag zu Tag kälter. Der Schnee fällt und scheint alle Spuren zu verstecken. Die Menschen im Alpendorf sind ruhig und still und kümmern sich um sich selbst. Wenn es ein Kind in der Nachbarschaft gibt, das vielleicht ein wenig Aufmerksamkeit benötigt, weil es ein armseliges Leben führen muss, ziehen die Nachbarn es vor, die Augen davor zu verschließen. Früher oder später werdet ihr aber feststellen, dass die Kinder im Verlauf des Gewaltausbruchs eine entscheidende Rolle spielen.

Es ist ein grauseliger und bedrückender Roman, der exakt und ungeschönt über triviale Ereignisse und das tägliche Leben von Menschen erzählt, die in ihren Routinen nicht gestört werden wollen – was immer draußen passiert.

Ich war beeindruckt von diesem Roman, der den Beginn einer Trilogie über Kommissarin Teresa Battaglia darstellt. Ich habe nicht auf das nächste Abenteuer der Ermittlerin gewartet und die Serie direkt in meinen Blog aufgenommen, denn ein bemerkenswertes Debüt sollte nicht unbemerkt bleiben. Und es war gut so, denn der nächste Teil der Trilogie, der inzwischen vorliegt, führt auch wieder in eine geheimnisvoll abgründige Welt.

Kommissarin Teresa Battaglia ist etwa sechzig Jahre alt, übergewichtig, hat Diabetes und kämpft mit beginnender Alzheimer-Symptomen. Sie lebt allein – es gibt keinen Partner, es gibt keine Kinder. (Abgesehen von ihrem Gesundheitszustand erinnert sie mich irgendwie an DI Vera Stanhope, Ann Cleeves’ Heldin aus dem abgelegenen Northumbria.)

Teresa scheint vom Leben enttäuscht sein und entwickelt Zweifel, wo und wie ihre Zukunft enden wird. Dennoch kann Teresa immer noch ihren scharfen Verstand einsetzen und weiß, wie Tatorte zu analysieren sind. Fehlverhalten, Faulheit, sinnlose Aktivitäten, lasche Ermittlungen – all das lässt sie rot sehen. Sie führt ihr Team mit fester Hand und alle Leute um sie herum gehen ab und zu in Deckung – nicht gerade die beliebteste Chefin.

Besonders für den jungen Inspektor Massimo Marini, den Neuen in ihrem Team, wird das Leben schwierig, wenn er versucht, alle die kleinen täglichen Hindernisse in seinem Arbeitsumfeld zu überwinden. Massimo kommt erst einmal aus einer Großstadt und ist gerade mit viel Landleben und Naturgewalten in kleinen Dörfern vertraut, obwohl es sich hauptsächlich um Touristendörfer handelt. Teresa hetzt ihn herum und ist niemals zufrieden mit dem, was er erreicht und liefert, aber Massimo hat keine Angst vor Teresa. Er ist ein kluger junger Polizist und beginnt, auf seine eigene Art zu ermitteln. Am Ende ist er es, den entscheidenden Hinweis zu finden, um den misteriösen Fall zu lösen.

Teresa rettet so das Leben des entführten Babys und übergibt den Verdächtigen in Gewahrsam und Pflege. Zum Schluss  stellt sie den Mann, der für das ganze blutige Chaos verantwortlich ist.

Kurz gesagt: Während der Nazizeit fanden direkt hinter der Grenze zu Österreich unmenschliche Experimente statt, die in den 70er Jahren wieder aufgenommen wurden. Nicht alle Opfer wurden gerettet… Nicht alle Täter wurden verhaftet und verurteilt… Etwa vierzig Jahre später führt dies zu neuer Gewalt, die auf dem in der Vergangenheit begangenen Unrecht beruht.

Es gibt ein Verbrechen, das aber kein gewöhnliches Verbrechen ist, sondern eher schon eine Menschenrechtsverletzung oder gar ein Kriegsverbrechen der Vergangenheit. Daraus entwickeln sich später Gewalttaten und Morde. Es ist eine alptraumhafte Geschichte, die sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt hat.

Auch Teresa entwickelt sich in der folgenden Zeit weiter und ihr Alzheimer-Alptraum ruht natürlich auch nicht. Sie muss sich selbst immer mehr organisieren, um Schritt halten zu können. Eine persönliche Katastrophe bahnt sich an, als ihr Tagebuch, ihr schriftliches Tagesgedächtnis, verschwindet – gestohlen.

Dies geschieht während ihres nächsten großen Falls. Es ist ein cold case aus dem Jahr 1945, vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Es ein mysteriöser Fall: ein hochbegabter Maler, der 1945 plötzlich aufhört zu malen und in der realen Welt zu leben, und ein Modell, seine Muse und Liebe, die stirbt … und in einem seiner Gemälde unsterblich wird.

Teresa muss entscheiden, ob es sich überhaupt um ein Verbrechen handelt. Inzwischen schreibt man das Jahr 2015 und ganz ehrlich – wie stehen die Chancen, ein Verbrechen zu untersuchen, das vor 70 Jahren geschah? Teresa und ihr Team sind fleißig und einfallsreich, um die Geheimnisse der Vergangenheit zu lösen – mit Erfolg.

… und alles spielt in dieser düsteren Region in Norditalien, wo die Menschen nicht sehr gesprächig sind, sondern eher verschlossen und abergläubisch. Der neue Roman hat mir genauso gut gefallen wie der erste. Allerdings ist die Erzählweise auch dieses Mal manchmal etwas langatmig.

Trotzdem ist es eine geniale Annäherung an einen cold case aus der Vergangenheit. (Ich bin schon oft – zu oft – auf recht gekünstelte Plots gestoßen, die auf Ereignisse im Zweiten Weltkrieg zurückgehen.)

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare