kommissar dupin aus der bretagne

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Für Georges Dupin war es die Hölle.
Sie machten Ferien.
Strandurlaub.
Schlimmer konnte es nicht sein.
»Einfach nur am Strand liegen«, hatte Claire sich erträumt. Keine Verpflichtungen, keine Termine, keine Arbeit. Sie hatte auf einer unbedingten Abmachung bestanden, einem gegenseitigen Schwur: dass sie sich in diesen «paar Tagen» unter keinen Umständen mit irgendwelchen Angelegenheiten des Kommissariats in Concarnau oder der Klinik in Quimper befassen würden. Was immer auch kommen mochte.
»Nur himmlische Ruhe und süßes Nichtstun«, hatte sie glücklich geseufzt.
Tatsächlich ging es gar nicht bloß um ein «paar Tage» – nein, es ging um zwei Wochen. Um volle vierzehn Tage.
Die längsten Ferien, die Dupin in seinem Berufsleben je genommen hatte.

aus “Bretonisches Leuchten”

 

Ein Workaholic in der Bretagne

Georges Dupin wurde nach einem “Zwischenfall” von Paris in die Bretagne versetzt; er war zu mächtigen Leuten während einer Ermittlung auf die Zehen getreten – mehr muss dazu nicht gesagt werden. Da er aus einer wohlhabenden und angesehenen Pariser Familie stammte, war er eigentlich schon auf der Überholspur in der Pariser Polizeiverwaltung gewesen, aber: hatte ihn diese Karriere jemals wirklich interessiert?

Ich, Marlowe, glaube nicht recht, dass er tatsächlich so unglücklich über seine Versetzung in die Provinz ist. Er ist inzwischen über vierzig, herrscht über ein erstklassiges Team von Inspektoren und ihm steht ein wahres Juwel von Sekretärin zur Seite. Gemeinsam sind sie in der Lage, all diese komplizierten Mordgeschichten entlang der friedvollen bretonischen Küste und in den idyllischen Dörfern der Bretagne aufzuklären. Er entdeckt die hervorragende Küche der Bretagne und ist begeistert – sogar von Meeresfrüchten. Schließlich beginnt er eine Beziehung mit einer Ärztin, einer Spezialistin für Herzchirurgie, und sie beziehen sogar ein gemeinsames Heim.

Klingt das wie das Leben eines Workaholics?

Nun, ja … sobald eine Leiche auftaucht, arbeitet Dupin ununterbrochen, von morgens bis abends ist er im 24/7-Modus – und vergisst manchmal sogar zu essen. Auch nimmt er keine Rücksicht auf wichtige Köpfe in der Verwaltung, einflussreiche Politiker, reiche Unternehmer – genauso wie es in Paris gewesen ist, was ihn schließlich in die Bretagne katapultierte. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass er sich immer langweilt, wenn es keinen mysteriösen Fall gibt, den es zu lösen gilt.

Dupin arbeitet und ermittelt auf seine ganz eigene Weise. Natürlich gibt es sein Team, und Dupin hat immer viele Aufgaben und Fragen für seine Inspektoren und auch für seine Sekretärin, aber er löst seine Fälle eher im Alleingang. Er vertraut auf sein Bauchgefühl. Es beginnt immer damit, dass er sich ein gewöhnliches Schreibheft besorgt und alles, was er erfährt, hineinkritzelt – und dann weiß er plötzlich, worum es geht, wenn er am Ende des Tages seine Notizen durchblättert. Die restliche Arbeit bleibt seinem Team überlassen – vor allem der administrative Verwaltungskram.

Es gibt Ressourcen, ohne die Dupin nicht funktioniert: Kaffee (d. h. Espresso (auf französische Art)) und der Nervenkitzel der Geschwindigkeit. Er bekommt häufig Strafzettel für zu schnelles Fahren – ohne Konsequenzen. … und er ist verloren ohne seine zuverlässige Sekretärin, die alles klärt und sich um alles kümmert. Ich denke, ich brauche auch nicht zu erwähnen, dass er mit seinem Handy auf Kriegsfuß steht.

Dupin lernt, dass die Bretagne und die Bretonen etwas Besonderes sind. Da gibt es den überwältigenden Stolz darauf, Bretone zu sein, und auf die bretonische Geschichte. Sogar in Dupins Team, gibt es diese Amateurhistoriker, die alles über die Bretagne studieren und jede lokale Tradition unterstützen, besonders wenn es um Essen und Feiern geht. Dupin betrachtet dies zuerst mit Misstrauen, aber er gewöhnt sich langsam daran.

Trotz seiner Respektlosigkeit gegenüber Verwaltung, Bürokratie und einflussreichen Mitmenschen verliert Dupin nie seinen Job, obwohl es – manchmal – recht knapp wird. Das liegt einfach daran, dass er ein verdammt guter Ermittler ist, der in der Lage zu sein scheint, jede vertrackten Fall mit seiner speziellen Methode knacken zu können.

Verbrechen? Mord? In der Bretagne gibt es eine Menge von allem. Es gibt Erbansprüche und Erbschaftsstreitigkeiten, Erpressungsversuche oder auch gelungene Erpressungen, Rache für was auch immer – die Bretonen neigen dazu, nie etwas zu vergessen. In den meisten Fällen bedeutet das, dass manchmal jemand sterben muss, weil er vor Jahrzehnten etwas ganz Dummes gemacht hat. Es gibt auch eifersüchtige Ehefrauen und Ehemänner, die auf der Suche nach erotischen Abenteuern sind. Es gibt Bretonen, die bretonische Traditionen bewahren wollen, und bretonische Geschäftsleute, die ihre Geschäftsfelder erweitern wollen – mittendrin sind die Politiker. Alles führt immer zu Ärger und bringt Leichen mit sich.

 

… und am Ende:
Falls ihr es immer noch nicht gemerkt habt: Die Kriminalromane über die Bretagne sind genauso verlockend wie die aus der Provence oder irgendeiner anderen schönen französischen Landschaft – man denkt über kurz oder lang darüber nach, eine Urlaubsreise in diese Gegend zu planen.

 

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare