jana berzelius, staatsanwältin

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„Sie blieb abrupt stehen und versuchte, sich hinter einem Hausvorsprung unsichtbar zu machen. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, und sie redete sich ein, dass sie sich geirrt haben musste. Dass der Mann mit der Kapuze gar nicht der war, für den sie ihn gehalten hatte.
Als sie erneut sein Profile musterte, lief es ist kalt den Rücken hinunter.
Sie wusste, wer er war.
Sie kannte seinen Namen.
Danilo!  
Eine Welle widersprüchlicher Gefühle überrollte sie: Überraschung, Erstaunen und Irritation.
Es hatte eine Zeit gegeben, als Danilo und sie wie Geschwister gewesen waren und den Alltag geteilt hatten. Doch das lag weit zurück, in ihrer Kindheit. Nun teilten sie nur noch dieselbe blutige Vergangenheit, sonst nichts. Er trug eine Hautritzung im Nacken, und auch sie hatte eine, die sie ständig an ihre dunkle Kindheit erinnerte. Danilo war der Einzige, der wusste, woher Jana kam und warum sie so war, wie sie war.
Im Frühjahr hatte sie Danilo aufgesucht und ihn um Hilfe gebeten wegen der Container mit Flüchtlingskindern vor Arkösund. Er hatte sich hilfsbereit gezeigt, war wohlwollend gewesen, aber letztlich hatte er sie verraten. Sein Versuch, sie zu töten, war misslungen, anschließend war er abgetaucht.
Seitdem hatte sie nach ihm gesucht, aber er war wie vom Erdboden verschluckt. Kein Lebenszeichen. Nichts. Ihr Frust und ihre Rachegefühle hatten sich verstärkt und waren schließlich so intensiv geworden, dass sie Tagträume hatte, in denen sie sich vorstellte, wie sie ihn am besten töten könnte.”

aus: „Weißer Schlaf”

 

Auf der Jagd nach den Dämonen der Vergangenheit

Jana Berzelius ist ein kluges und aufgewecktes Mädchen. Nach der Adoption durch den  Generalstaatsanwalt verlässt sie die Schule als eine der besten Schülerinnen und besteht ihre Universitätsprüfungen mit Auszeichnung. Mit Hilfe ihres Vaters – nehmen wir das mal einfach an – wird sie schon mit 27 Jahren Staatsanwältin; aber sie ist stolz darauf, dass sie es ohne seine Hilfe durch ihr Universitätsstudium geschafft hat. Sie ist motiviert, setzt sich für Recht und Ordnung ein und erledigt alle ihre Aufgaben diszipliniert und zielorientiert. Sie ist das perfekte Rollenmodell einer jungen Frau, die eine schwierige und anstrengende Position in der Öffentlichkeit mit Bravour meistert.

Wo kommt das alles her?

Als sie noch sehr jung ist, werden ihre Eltern vor ihren Augen getötet und sie wird zusammen mit anderen Kindern ihres Alters in ein Lager auf einer abgelegenen Insel gebracht, um eine ganz besondere Ausbildung zu erhalten. Sie lernt zu kämpfen, zu überleben und zu töten – als Attentäterin zu töten. Es gibt niemanden, dem sie trauen kann… Schließlich kann sie von der Insel fliehen, verliert auf der Flucht bei einem Unfall ihr Gedächtnis und wird anschließend adoptiert.

Natürlich kennt ihr Stiefvater, der Generalstaatsanwalt, der sie in den nächsten dauernd fordert, ihre Vergangenheit und ist irgendwie auch darin verwickelt… Die harte und unnachsichtige Ausbildung formt sie zu jener jungen Frau mit den besonderen Fähigkeiten, die sie jetzt besitzt. Zuerst nach ihrer Adoption hat sie Alpträume und plötzliche Flashbacks, aber sie gewöhnt sich daran und lernt mit den Bruchstücken ihrer Vergangenheit umzugehen.

Ich, Marlowe, kann mir nicht helfen, aber… Jana erinnert mich auf eine gewisse Weise an Lisbeth (ihr wisst schon: Lisbeth Salander, Stieg Larssons Heldin, der Archetyp all dieser perfekten, überdurchschnittlichen jungen Frauen – diese urbanen Kriegerinnen der Gerechtigkeit, Rache und Reichtum im Hinterkopf…) Nun: während Lisbeth einen Vertrauten und Freund hat, ist Jana allein. Sie hat ein großes Problem damit, jemandem uneingeschränkt zu vertrauen.

Bis jetzt gibt es vier Romane in der Reihe und Jana als Staatsanwältin muss sich im Laufe der Jahre mit dem Missbrauch von Flüchtlingskindern und Menschenhandel auseinandersetzen, mit Banden, die  Verräter ausschalten und Mitläufer entsorgen, mit dem blutigen Ergebnis einer langwierigen Racheaktion, mit zwangsrekrutierten Drogenkurieren aus Fernost, mit groß angelegtem Drogenhandel, Kindesentführung, Mord… sogar Massenmord.

Als Staatsanwältin hat Jana die Leitung bei den meisten Ermittlungen und der Anklageerhebung. Die klassischen Untersuchungen werden von einem Team (Henrik, Mia, Anneli…) unter der Leitung von Gunnar durchgeführt. Gunnar hat eine Affäre mit Anneli und sie haben einen Sohn. Anneli vermasselt es, sie trennen sich – und leiden. Gunnar ist sehr stolz auf seinen Job und seine Leistungen… und er ist immer wieder verärgert und fühlt sich gedemütigt, wenn die National Crime Squad versucht, die Ermittlungen an sich zu reißen.

Henrik ist ein Familienvater, verheiratet mit zwei Kindern. Als das dritte Kind unterwegs ist, bin ich mir nicht ganz sicher, ob er wirklich glücklich ist. Henrik sehnt sich nach mehr Zeit mit seiner Frau und vor allem aber auch für sich selbst, aber daraus wird jetzt erst einmal wieder nichts. In erster Linie lebt er nach wie vor für seinen Job und arbeitet und arbeitet und arbeitet…

Mia, seine Partnerin, ist eher immer ein wenig neben der Spur: immer bankrott, mehr Liebhaber, als man zählen kann – auf der Suche nach dem Richtigen: nein – auf der Suche nach Sex, Spaß, Geld!

Kurz gesagt: Jeder im Team hat sein Kreuz zu tragen.

Vor allem in den höheren Rängen von Polizei und Staatsanwaltschaft bestimmen Macht, Geld und Gier hier und da die Geschehnisse. (Sogar Janas Stiefvater ist beteiligt!) So gibt es am Ende (unter anderem!) auch ein Ermittlungsergebnis, das von den Medien als „PoliceGate” bezeichnet wird – ich denke, das spricht für sich selbst.

Die Romane stellen alle Beteiligten sehr gewissenhaft mit viel Liebe zum Detail dar. Es gibt immer mehrere Handlungsstränge und verschiedenen Blickpunkte auf ein Vorkommnis. Einfach gesagt: Die Darstellung ist fesselnd!

Zurück zu Jana… Zu Anfang ist Jana 30 Jahre alt und die Romane decken die nächsten fünf Jahre ab – bis jetzt. Im ersten Band erfährt Jana vieles über sich und ihre Vergangenheit, so dass sie ihre akribische Suche nach ihrem Ursprung, mit der sie jahrzehntelang beschäftigt war, beenden kann. Seit ihren Alpträumen und der Entdeckung des symbolischen „KER”, das in ihren Nacken geritzt wurde, war sie besessen davon, ihre Vergangenheit zu enthüllen. Vor ihrer Adoption wurde sie nach einem Sturz aus einiger Höhe bewusstlos aufgefunden und erinnerte sich an nichts. KER ist der Name der griechischen Göttin des gewaltsamen Todes, einer Schwester von Thanatos, dem Gott des Todes. Ihr Stiefvater ist nicht glücklich über dieses künstliche Mal; er kennt seine Bedeutung und seinen Ursprung und befiehlt Jana, dieses Mal immer zu bedecken.

So ist Jana zugleich erleichtert und am Boden zerstört, nachdem sie die Wahrheit gefunden hat und sich entschieden hat, die Vergangenheit ein für allemal zu beerdigen. Leider… ist sie nicht allein und hat noch ein paar Mitspieler mit anderen Interessen.

Da gibt es ihren Stiefvater, der es schafft, die detaillierte Dokumentation über ihre Vergangenheit zu stehlen und zu verstecken, die Jana in all den Jahren zusammengeschrieben hat. Er benutzt dieses „Paket”, um Jana zu kontrollieren – er versucht es zumindest. Schließlich erkennt er jedoch (Stichwort: PoliceGate!), dass sein Engagement nicht länger vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben wird und versucht, Selbstmord zu begehen, aber er schafft es nicht und überlebt – behindert – für eine Zeitlang. Janas Stiefmutter stirbt etwas später – sie ist Kollateralschaden in einer Racheaktion.

Jana war von Anfang an allein, so dass sie diese Familientragödie nicht allzu sehr beeindruckt. Wichtiger für sie its ihr „Paket” über ihre frühe Kindheit. Also müssen wir nun über Danilo sprechen.

Danilo war zusammen mit Jana im Lager auf jener abgelegenen Insel. Er hat die gleiche Kampf- und Überlebensausbildung hinter sich gebracht. Während Jana fliehen kann und adoptiert wird, bleibt Danilo im Lager und arbeitet als Attentäter – neben vielen anderen Verbrechen, die er begeht. Im Laufe der Serie gibt es mehr als einen Kampf zwischen Jana und Danilo.

Jana schafft es zwar, Danilo ins Gefängnis zu bringen, aber er bricht aus. Er arbeitet sogar mit ihrem Stiefvater zusammen, bemächtigt sich des „Pakets” und versucht, Jana zu kontrollieren – aber schließlich gibt er ihr alle Dokumente zurück. Danilo hat seine eigene Agenda, sucht seine eigene Zukunft und handelt entsprechend; trotzdem scheint Jana ihm wichtig zu sein…

Jana ist allein. Es gibt Per, auch ein Staatsanwalt, der Jana bewundert, sich in sie verliebt hat und versucht, ihr näher zu kommen, aber Jana hat immer noch ihr großes Problem mit dem Vertrauen. Sie will manchmal, sie wagt es, aber dann doch nicht, sie macht schließlich eine Annäherung… Danilo nutzt diese Situation aus und benutzt Per; er bedroht Pers Leben und lässt ihn verprügeln. (Natürlich hat Per keine Ahnung von Janas Vergangenheit und ihrer Beziehung zu Danilo.)

Schließlich muss Jana sich entscheiden, ob sie Danilo nach seiner erneuten Verhaftung helfen will, indem sie als Staatsanwältin ihre Grundsätze verrät, oder ob sie zulassen soll, dass Danilo Per töten lässt – ein schreckliches Dilemma. Die Serie endet vorerst mit Janas Entscheidung, Danilo zu helfen – zunächst einmal – und ihre Beziehung zu Per zu beenden, um Pers Leben zu retten.

Ich denke, es ist ein klassischer Cliffhanger… Ich warte schon auf den nächsten Roman!

Die essentielle Frage in dieser Serie ist eigentlich: Ist Jana gut oder böse?
Sie arbeitet als Staatsanwältin und macht einen guten Job, tritt mit Überzeugung für Recht und Ordnung ein. Aber gleichzeitig tötet sie… Sie tötet nicht aus Gier oder Spaß – nur um sich zu schützen. Es ist eine schwierige und interessante Frage…

 

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a faint cold fear thrills through my veins... william shakespeare