inspektor columbo

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zu der TV Serie

Von der Kunst, Morde zu begehen

 

„…noch eine Sache…“
Columbo (immer wieder!)

 

Es ist unglaublich: 35 Jahre lang hat Inspektor Columbo Mordfälle in und um Los Angeles herum (einmal auf hoher See und sogar im Ausland) aufgeklärt. Ich, Marlowe, habe jede Folge im Fernsehen verfolgt – mehr als einmal, weil meine Mitbewohnerin ein Columbo-Fan ist – damals wie heute. Sie denkt, dass die Serie der perfekte Hintergrund ist, um sich zu entspannen, sich vom Bürostress zu erholen und abzuschalten. (Übrigens ist sie damit nicht allein: die häufigen Wiederholungen zeigen schon, dass eine solide Fangemeinde vorhanden ist.)

Es gibt keine Bücher, hat niemals welche gegeben. Nichtsdestotrotz scheint Inspektor Columbo genauso berühmt zu sein wie Sherlock H. und Jane M. Ich bin sicher, dass jeder schon mehr als einmal in seinem Leben Inspektor Columbo bei seiner Arbeit beobachtet hat. Also kennt ihr natürlich auch die Mordfälle… Ich meine damit das Skript: da ist der Mord, da ist der Mörder – alles ist von Anfang an bekannt!

Was mich immer interessiert hat: warum schauen wir uns eigentlich eine Krimiserie an, in der es keine spannende Jagd nach dem Mörder gibt? Kein Geheimnis, das gelöst werden muss?

Wer ist Inspektor Columbo? Sofort sehen wir Peter Falk vor uns: Inspektor Columbo wurde sein Alter Ego. Da ist also dieser kleine Mann in seinem abgetragenen, verknautschten Trenchcoat mit seiner verknitterten Krawatte in seinem altersschwachen, französischen Auto. Sein Haar ist immer etwas zu lang, etwas zu fettig, die kalte, dünne Zigarre hängt unglücklich in seinem Mundwinkel  – nichts ändert sich im Laufe der Jahre. Er hat immer seinen kleinen Notizblock dabei, in den er irgendetwas gekritzelt hat, was er zu entziffern versucht… und er hat auch noch diesen schläfrigen, trägen Hund!

(Manchmal stelle ich mir so vor, das Columbo – ganz privat – ein ganz normaler Mann ist… Er steht morgens auf, frühstückt, geht zu seinem „speziellen” Kleiderschrank und verkleidet sich als der „dumme” Columbo incl. aller Accessoires!)

Inspektor Columbo wirkt peinlich, spricht ungeschliffen, scheint immer nervös, vergesslich, hat keine Manieren… aber das ist alles nur Tarnung. Er ist verdammt clever, beobachtet alles und jeden ganz genau und ist sehr präzise. Er verkleidet sich als „Underdog”, als „Loser”, ein Nichts, das ignoriert werden darf, aber am Ende sorgt er dafür, dass seine Erkenntnisse ausschlaggebend sind.

Also: was machen wir so? Wir schauen uns eine Folge an und wissen von Anfang an, wer der Mörder ist – nur: Inspektor Columbo weiss es nicht bzw. gibt wenigstens vor, es nicht zu wissen. Der Charme jeder Folge liegt darin, zu beobachten, wie Inspektor Columbo den Mörder überführt.

 

Eine kurze Anmerkung: Ich spreche immer über „Inspektor Columbo“, weil niemand seinen Vornamen kennt.

 

Die Mörder sind intelligent; sie alle, ohne Ausnahme, denken sie seien eine Art Supermann bzw. Superfrau. Sie sind reich und mächtig, sie sind Offiziere und Befehlshaber, Filmproduzenten, TV-Stars, Rechtsanwälte, berühmte Schauspieler, Firmenchefs, bekannte Wissenschaftler, Chirurgen…  Inspektor Columbo bewegt sich in einer elitären Gesellschaftsschicht mit erfolgreichen Menschen. Für sie scheint Mord die geeignete Lösung für ein spezielles Problem zu sein und sie alle glauben, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeit mit Mord ungeschoren davonkommen. Ein einfacher Polizist wie Inspektor Columbo… sie ignorieren ihn ganz gern, sie unterschätzen ihn.

Inspektor Columbo analysiert jedes Detail: sie verraten sich immer. Jeder Mörder macht seinen Fehler, auch wenn er noch so klein und unbedeutend zu sein scheint. Es gibt immer eine Spur. Inspektor Columbo beginnt nachzugraben, alles aufzurollen und er insistiert; er ist nervtötend und wird immer hartnäckiger. Schließlich gibt der Mörder auf.

Gibt es ein Team um Inspektor Columbo? Nein – er ist ein einsamer Wolf. (Erinnert euch einfach daran, dass die Serie in den 60er Jahren begann. Im letzten Jahrhundert gab es noch keine spezialisierten CSI Teams wie heute, keine Freaks, die man brauchte um Password-Probleme mit Notebooks und Smartphones zu lösen.) Ich denke auch, dass Inspektor Columbo niemals ein Team gebraucht hätte. Wenn er sich ganz allein dem Verdächtigen nähert (aus Inspektor Columbos Sicht!), machte ihn das in den Augen des Mörders (unser Blickwinkel!) verletzlich und verführte den Mörder zu Sorglosigkeit.

Ich möchte hier und jetzt nicht auf einzeln Fälle zu sprechen kommen – immerhin waren es 69. Es ist offensichtlich, dass eine ganze Reihe etablierter, bekannter Schauspieler gern den Mörder in einer Folge spielen wollten (manche auch mehr als einmal!). Die Serie war ein Erfolg für mehr als 35 Jahre. (Ich bin nicht sicher, aber vielleicht ist es sogar die am längsten produzierte TV-Krimiserie überhaupt).

Am Ende siegt immer der einfache, hässliche Polizist über das hochintelligente, mächtige und angeseheneMitglied der  Gesellschaft, das – dummerweise – beschlossen hat zu töten und sich einen ausgefeilten Plan ausgedacht und umgesetzt hat, um davonzukommen. Ein Mord wurde nie so detailliert geplant und umsichtig begangen wie in den Fällen von Inspektor Columbo.

 

Was gibt es sonst noch?

Inspektor Columbos Ehefrau trat nie in der Serie auf, obwohl sie hin und wieder erwähnt wurde. 1979-80 gab es ein Spin-off, das eine sehr junge Kate Mulgrew als „Mrs. Columbo“ präsentierte (später wurde aus ihr die berühmte Capt. Kathryn Janeway). Inspektor Columbo spielte in diesem Spin-Off aber keine Rolle.

 

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a faint cold fear thrills through my veins... william shakespeare