die kommissare grimmer und birkan, lka berlin

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Quelle: pixabay

 

 

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„Ich wusste nur, dass die Zeit meiner Abrechnung irgendwann kommt, aber ich hätte nie gedacht, dass es die Stadt in Brand setzen würde.”

aus dem Trailer

 

Tatort Berlin

Es gibt zwei Kommissare, die ermitteln. Ein Toter liegt neben einem Plattenbau. Wir sind in Berlin. Das ist eigentlich das klassische Ausgangsszenario für einen „Tatort“, der Dauerbrenner im deutschen TV. Alles ist immer so schön korrekt im „Tatort”; mittlerweile teilen sich – fast – immer eine Frau und ein Mann die Ermittlungsarbeit. Doch stopp! Hier in diesem Berliner Krimi wird die Frauenquote nicht eingehalten…

…und das ist auch noch nicht alles: Die Kommissare prügeln, lügen, haben ihre Nebengeschäfte, wollen sich rächen… um jeden Preis… Die Vorgesetzten denken politisch und vor allem „politically correct“, wollen negative Schlagzeilen vermeiden, fürchten Aufruhr und Volkszorn… Die Politiker fordern… eine schnelle, saubere, glatte Lösung ohne Ecken und Kanten.

…und im übrigen hat jeder irgendwie Dreck am Stecken oder klappernde Skelette im Schrank.

Ich, Marlowe, möchte erst einmal feststellen, dass wir es hier nicht mit einem klassischen „Tatort“ zu tun haben. Die überkorrekte „Tatort“-TV-Landschaft ist bei „Dogs of Berlin“ weit und breit nicht zu finden. Stattdessen erleben wir in rasantem Tempo eine Hetzjagd durch Berlin, die ganz zum Schluss überraschend auch den Täter entlarvt. Dazwischen passiert sehr viel – und viele Gangster jeder Couleur verlieren ihre Freiheit, ihr Vermögen und auch manchmal ihr Leben.

Ich gebe zu, dass ich diese Serie im Binge-Watching-Modus inhaliert habe und kaum aufhören konnte.

Worum geht es denn nun eigentlich?

Da ist einmal Kurt Grimmer, ein guter Ermittler mit vielen Kontakten in alle Bereiche Berlins, speziell ins halbseidenen Milieu. Kurt ist verheiratet mit Kindern und die Ehe ist… naja. Er hat außerdem Schulden – Wettschulden, Spielschulden. Der Termin drückt und Kurt setzt alles daran, mit einer Fußballwette den großen Gewinn einzufahren, den er dringend braucht. Außerdem hat er auch noch eine Geliebte mit Kindern. Seine Frau hat eine Boutique und muss Schutzgeld zahlen, verliebt sich in den Schutzgelderpresser und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihm – das nur nebenbei.

Kurt kommt aus dem Osten und hat noch eine Mutter und einen Bruder. Mutter und Bruder sind glühende Neonazis und führen eine „Kamaraderie“. Kurts Mutter zögert nicht, die Karriere ihres Sohnes – also Kurts Bruder – zu fördern, selbst wenn sie dabei über Leichen gehen muss. Kurt hat sich aus der Neonazi-Szene verabschiedet und ist jetzt Mordermittler beim LKA Berlin.

Kann Erol Birkan das noch toppen?
Erol ist schwul und lebt mit einem Mann in einer Luxuswohnung zusammen, was seine Familie und vor allem sein jähzorniger Vater nicht verstehen können und wollen. Erol ist bei der Drogenfahndung und versucht zusammen mit seinem Team schon lange einen türkischen Clanchef, der den Berliner Drogenhandel beherrscht, hinter Gitter zu bringen, aber immer erfolglos. Es wird spekuliert, dass es einen Maulwurf geben muss – was sich schließlich auch überraschend schnell und logisch aufklärt.

Aber kommen wir zurück zum Plot… Ein Toter wird im Grünen vor einem Plattenbau gefunden – mitten in der Nacht. Zufällig ist Kurt zur Stelle, da seine Freundin in der Nachbarschaft wohnt, und sichert den Tatort – nachdem er erkannt hat, dass es sich bei dem Toten um den Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft handelt – einen Türken. Ein Länderspiel steht bevor und Kurt weiß sofort um die Brisanz seiner Entdeckung – und außerdem denkt er an seine Schulden, sieht Licht am Ende des Tunnels, wenn es ihm gelingen sollte, eine Fußballwette zu platzieren, bei der er sein aktuelles Wissen nutzt… Geschickt hebelt er Kollegen aus, denen eigentlich der Fall zusteht.

Sein Chef denkt nach, fragt die Polizeipräsidentin (lesbisch mit Partnerin und Nachwuchs). Sie sind sich schnell einig, dass eine Soko gegründet werden muss… mit einer Doppelspitze: einem deutschen und einem türkischstämmigen Polizisten (aus politischen Gründen!). So kommen Kurt und Erol zusammen – wenn auch widerwillig. Kurt möchte sein eigenes Püppchen kochen und Erol möchte seinen Drogen-Clanchef dingfest machen. Außerdem soll alles streng geheim bleiben, also niemand darf wissen, dass der Kapitän der Nationalmannschaft tot auf dem Rasen vor einem Plattenbau gefunden wurde. Das riecht nach Stress!

Und dann?
Es passiert verdammt viel. Es geht natürlich um Fußball und um die Manipulation von Fußballspielen. Da ist eine knallharte private Ermittlerin, die für die Spitze des Fußballbundes arbeitet und über Leichen geht. Da ist Kurt mit seiner Wette, die er platzieren muss – und seinem Versuch, Erol aus dem Ring zu drängen, damit er ungestört agieren kann. Da sind Fußballprofis, die gern heiße Callgirls vernaschen – und nicht merken, dass jemand alles filmt.

Da ist der Clan aus dem Ostblock, der das Wettgeschäft kontrolliert. Da ist der Türken-Clan, der das Drogengeschäft kontrolliert… und überall taucht auf einmal der tote Fußballnationalspieler auf. Da sind auch noch die Neo-Nazis (Kurt’s Familienclan), für die schon ein Türke in der Nationalmannschaft ein rotes Tuch ist…

Zum Schluss schafft es Erol mit einem gigantischen Polizeiaufgebot den Türken-Clan ausheben, eine Razzia – eher eine kleine Schlacht mit brennenden Autos und Häusern! – durchzuführen, Beweise für den Drogenhandel sicherzustellen – aber keine Spur vom toten Fußballspieler. Kurt schafft es, seine Schulden abzuzahlen, etwas Licht in die Spielmanipulationen zu bringen und die Verstrickungen des Fußballbundes zu durchlöchern – aber keine Spur vom toten Fußballspieler. Die Neonazis prügeln sich mit einer Rockerbande – aber auch hier keine Spur vom…

…aber der Täter und das Motiv finden sich schließlich… ganz woanders als gedacht!

Danach musste ich erst einmal tief Luft holen!

Die Kritiken sagen, dass die Serie voller Klischees steckt. Stimmt – aber wo finden wir heute keine Klischees? (Im allseits bekannten „Tatort“ dürfte es jeden Sonntag noch weit mehr Klischees geben…) Es ist eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Action-Serie – davon gibt es in der deutschen TV-Landschaft grundsätzlich nicht viele!

 

…und zum Schluss:
Ist das nun schon eine Serie?
Bis jetzt gibt es eine Staffel mit einem Fall… nun – eher schon etwas mehr als nur ein einziger Fall…, aber ich denke, es wird bestimmt eine Fortsetzung geben, so dass die „Dogs of Berlin“ in die nächste Runde gehen können.

 

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a faint cold fear thrills through my veins... william shakespeare