carvalho, privatdetektiv in barcelona

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Vom guten Leben in Barcelona

Carvalho hat eine Vergangenheit. Er war während der Franco-Zeit Mitglied der kommunistischen Partei, wurde von seinen Kameraden verraten und wachte im Gefängnis auf. Später lebte er in den USA und ließ sich mit der CIA ein – er wurde ein CIA-Agent. Schließlich kehrte er nach Spanien zurück, nach Barcelona, und begann, als Privatdetektiv zu arbeiten.

Er ist ein erfolgreicher Ermittler, aber er ist andererseits nicht auf die Einkünfte als Privatdetektiv angewiesen. Man denke nur an seine Villa in Vallvidrera, einem mehr als gutbürgerlichen Viertel der Stadt. Seine Ermittlungen befassen sich nicht nur mit dem kriminellen Hintergrund der jeweiligen Aufgabe, mit der er sich beschäftigt, sondern auch die spanische Gesellschaft aller Schattierungen. Carvalho beobachtet und zieht Schlüsse. Er hat so viele Dinge erlebt, dass er weiß, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Ich, Marlowe, habe über Carvalhos Rolle nachgedacht – und auch über ihn als Rollenmodell. Es scheint allgemein bekannt und akzeptiert zu sein, dass Andrea Camilleri seinen Protagonisten Salvo Montalbano, einen Polizeiinspektor aus Sizilien, nach dem Vorbild von Pepe Carvalho, dem Privatdetektiv von Manuel Vázquez Montalbán in Barcelona, geschaffen hat, weil er den Stil der Carvalho-Romane bewunderte. Beim Vergleich beider Serien fällt auf, dass sich beide Protagonisten nicht nur mit Verbrechen und Verbrechern beschäftigen, sondern auch die gesellschaftlichen Entwicklungen in ihren Ländern mit scharfem Blick beobachten.

Während der Sizilianer Montalbano bis heute aktiv ist, ist Barcelonas Carvalho vor allem ein Kind der 70er, 80er … bis hin zu den 90er Jahren. Auch begann Carvalho als Revolutionär, arbeitete gegen das Establishment, dessen Teil er jedoch später wurde. Trotzdem wurde die Polizei nie sein Freund.

Aufgrund seiner Arbeit als Privatdetektiv wird Carvalho von privaten Auftraggebern wie Eltern, die ihre Töchter suchen, Firmen, die um einen Mitarbeiter besorgt sind, Vereinen, die ein Mismanagement in ihren Finanzen vermuten etc. um Hilfe ersucht. Früher oder später gibt es jedoch einen Mord … und manchmal gibt es auch mehr als nur eine Leiche. Die Polizei schaltet sich ein und ist über Carvalho nicht erfreut. Carvalho ist auch nicht glücklich über die Polizei und ihr Vorgehen, denn sie erinnert ihn immer an seine Jahre im Gefängnis – und jene Polizisten, die die Franco-Zeit überlebt haben und immer noch aktiv sind.

Carvalho hat einen Assistenten, Biscuter, der sich nicht nur um administrative Aufgaben kümmert, sondern auch um das kulinarische Wohl seines Chefs. Abends kocht Carvalho mit Leidenschaft selbst und isst und trinkt gerne mit seinem Freund und Nachbarn Fuster und seiner Geliebten Charo, einer Prostituierten. Außerdem verbrennt er gerne seine umfangreiche Bibliothek, Buch für Buch in seinem Kamin.

Die Romane kennen keine rasanten Entwicklungen, sind nicht hektisch, aber man kann so nebenher das ganze Leben genießen, das Barcelona bietet.

 

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare