amaia salazar, leiterin der mordkommission in navarra

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“Ainhoa Elizasu war das zweite Opfer des Basajaun, auch wenn die Presse den Mörder damals noch nicht so nannte. Das kam erst später, als durchsickerte, dass bei den Leichen Tierhaare, Hautreste und merkwürdige Spuren gefunden worden waren, die nicht von einem Menschen zu stammen schienen. Vieles deutete darauf hin, dass es sich bei den Verbrechen um düstere Läuterungsrituale handelte: die aufgeschlitzte Kleidung, das rasierte Schamhaar und die in jungfräulicher Unschuld angeordneten Hände der Mädchen. Eine böse urzeitliche Kreatur schien ihr Unwesen zu treiben.
Wenn Amaia Salazar früh am Morgen zu einem Tatort gerufen wurde, befolgte sie stets das gleiche Ritual: Sie stellte den Wecker aus, damit James ausschlafen konnte, raffte ihre Kleidung zusammen, griff nach ihrem Handy und ging langsam die Treppe hinunter in die Küche. Dort zog sie sich an, trank einen Milchkaffee und schrieb ihrem Mann eine Nachricht.
Musste sie so wie jetzt vor dem Morgengrauen losfahren, war ihr Kopf immer wie leer, ein weißes Rauschen, und obwohl se an diesem frühen Morgen von Pamplona aus eine Stunde bis zum angegebenen Ort brauchte, befand sie sich die ganze Fahrt über in einem nebelhaften Wachzustand. Erst als sie eine Kurve zu eng nahm und die Reifen quietschten, wurde ihr bewusst, wie abwesend sie war. Danach konzentrierte sie sich stärker auf die gewundene Straße, die immer tiefer in den dichten Wald von Baztán führte. Fünf Minuten später sah sie ein Warnsignal und hielt an. Sie erkannte den Sportwagen von Dr. San Martín und den Geländewagen von Richterin Estébanez. Sie stieg aus, holte ein Paar Gummistiefel aus dem Kofferraum und zog sie an, während Subinspector Jonas Etxaide und Inspector Fermen Montes auf sie zukamen.
«Schlimm Sache, Chefin, ein junges Mädchen», sagte Etxaide mit Blick auf seine Notizen. «Vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre alt. Als sie gestern Abend um elf noch nicht zu Hause war, haben die Eltern sie als vermisst gemeldet.»  
«Eine Streife hat sie dann gefunden. Die Schuhe des Mädchens stehen dort am Straßenrand.» Er leuchtete sie mit seiner Taschenlampe an: Auf dem Asphalt stand ordentlich nebeneinander ein Paar schwarze Lacklederschuhe mit halbhohen Absätzen.
Amaia ging näher heran und bückte sich, um sie genauer zu betrachten.
«Hat die jemand von uns so hingestellt?»
Etxaide sah in sein en Notizen nach.
«Nein, die standen schon so da, mit den Spitzen in Richtung Fahrbahn.»  
«Wo liegt das Mädchen?», fragte sie.  
Als sie die Schlucht hinunterstiegen, die der Fluss in den Felsen gegraben hatte, sah Amaia unten schon die Scheinwerfer und Absperrbänder. Davon standen Richterin Estébanez und der Vertreter der Staatsanwaltschaft, unterhielten sich leise und sahen immer wieder zu den Stelle, an der die Leiche lag. Zwei Fotografen der Spurensicherung machten Aufnahmen aus allen Blickwinkeln und tauchten den Ort in ein Blitzlichtgewitter. Neben der Leiche kniete ein Kriminaltechniker des Instituts für Rechtsmedizin von Navarra und maß offenbar die Temperatur der Leber.
Zufrieden nahm Amaia zur Kenntnis, dass alle Anwesenden sich an die Vorschrift hielten und die Absperrung durch die Stelle betraten, die die Beatme markiert hatten. Trotzdem fand sie, dass sich immer noch viel zu viele Leute dort tummelten. Sie wusste, dass ihr Gefühl etwas Absurdes, geradezu Lächerliches hatte und wahrscheinlich von ihrer katholischen Erziehung herrührte. Aber immer wenn die sich einer Leiche näherte, wäre sie am liebsten allein gewesen, um wie auf den Friedhof Andacht zu halten, ein Bedürfnis, das durch die professionelle Geschäftigkeit der Kollegen torpediert wurde.  
Sie verdrängte alle Gedanken aus ihrem Kopf, richtete den Blick auf die Leiche und murmelte ein kurzes Gebet. So hielt sie es immer. Erst dann war sie imstande, einen Toten als das Werk eines Mörders zu betrachten.”

aus: “Das Echo dunkler Tage”

 

Im Tal des Wahnsinns

Amaia Salazar wird zur Leiterin einer Untersuchung ernannt, die sich mit einer Reihe von Morden an jungen Mädchen befasst. Sie klärt den Fall auf, fasst den Serienmörder und wird offiziell befördert: Leiterin der Mordkommission. In den nächsten Romanen untersucht sie eine ganz spezielle Reihe von Selbstmorden, die sich als perfide Morde erweisen, und eine Reihe von natürlichen Todesfällen, die ebenfalls in Wirklichkeit geplante Mordes waren und, obwohl sie sich über einige Jahrzehnte hinweg ereigneten, miteinander verknüpft sind.

Zweifellos hat sie alle Hände voll zu tun. Ihr Privatleben gehört ihrem Ehemann und ihrem neugeborenen Sohn (am Ende des ersten Romans wird sie schwanger). Außerdem hat sie eine große, verzweigte Familie mit mehr Geheimnissen und Boshaftigkeit, als man sich vorstellen kann.

… und sie und ihre Familie sind in all diese schrecklichen Mordserien verwickelt.

Ich, Marlowe, denke, es ist ganz interessant, die Romane einmal in Bezug auf die Realität zusammenzufassen – was ich gerade getan habe. Darunter oder darüber (wie auch immer man es beschreiben möchte oder wie man es empfindet!) gibt es eine andere Ebene, eine andere Welt, die mit der Realität interagiert, indem sie sich in den Köpfen aller Beteiligten eingenistet hat und Realität und Mystik miteinander vermengt. Manche sagen, es sei das Böse. Einige sagen, es sei nur Aberglaube. Andere nennen es Wahnsinn, also kranke Psychen. Wie auch immer, Amaia Salazar muss sich damit und mit ihren eigenen Dämonen, die in ihrem Kopf herumwirbeln, auseinandersetzen.

Die Realität bedeutet Leichen, bedeutet Leichenschändung, bedeutet Kannibalismus, bedeutet sinistre Überreste von Skeletten, die auf Satanismus und getötete Opfer hinweisen. Es gibt die Polizei mit ihren Ermittlern, es gibt die Leichenhalle mit ihren Obduktionsberichten, es gibt Forensiker und DNS-Tests, Fingerabdrücke und mehr. Es gibt den Staatsanwalt und den Richter. Es ist immer das Gleiche, nur dass Amaia Salazar in diesem Tal namens Baztán in Navarra in Bergen von Lügen und Aberglauben wühlen, Familiengeheimnissen und religiösen Rituale entwirren muss, um die Wahrheit und die wahren Übeltäter zu finden.

Amaia selbst wurde 1980 im Tal von Baztán geboren. Ihre Kindheit war nicht besonders glücklich, weil ihre Mutter psychisch krank ist (sagen wir es mal so!) und ihre Tochter mehr als einmal zu Tode erschreckt hat. Auch hat Amaia alles über diese spezielle Welt der Hexen und Dämonen gelernt, dieser Wesen, die durch die Wälder wandern, in Höhlen leben … all die Beschwörungen, um Hexen zu vertreiben … all diese kleinen Rituale, um üble Kreaturen und Götter zu besänftigen.

Es ist das Erbe des Tals, und alle Menschen erzählen die Geschichten und Mythen der Vergangenheit, über Wunder, über Unglücksfälle immer wieder – vor allem ihren Kindern. Vereinfacht gesagt gibt es gute und böse Geschöpfe, aber man kann sicher sein, dass es mehr von den Bösen als von den Guten gibt. Es gibt Orte, die sich eine Frau aufsuchen sollte, wenn sie schwanger werden will. Es gibt Rituale zur Reinigung eines Hauses, wenn jemand gestorben ist … Es gibt Brunnen, deren Wasser heilen kann … was auch immer. Ich glaube, ihr habt es verstanden.

Amaia hat das Tal verlassen, um sich zur Polizistin und Ermittlerin ausbilden zu lassen. Sie erlebte  sogar ein FBI-Training über Profiling. Jetzt lebt sie als Inspectora in Pamplona. Sie hatte nie vor, in ihr Tal zurückzukehren, obwohl ihre Familie dort noch immer lebt. So weit, so gut. Dann beginnt die Reihe der Morde an Mädchen im Teenageralter und Amaia, die noch immer von Alpträumen über Ereignisse aus ihrer Kindheit geplagt wird, wird Untersuchungsleiterin und ist gezwungen, zurückzukehren. Sie ist nicht glücklich, aber sie krempelt die Ärmel hoch und macht sich an die Arbeit.

Bald merkt sie, dass mehr dahintersteckt als ein Psycho, der eine Schwäche für hübsche Mädchen und seine ganz eigenen Vorstellungen von der Herrichtung der Leichen hat. Sie erfährt, dass die Morde nicht erst jetzt, sondern offensichtlich schon vor Jahren begonnen haben. Leider wird Amaia nicht nur von der Untersuchung der Morde in Anspruch genommen, sondern auch von ihrer großen Familie, insbesondere ihren feindseligen und streitsüchtigen Schwestern. Ohne etwas verraten zu wollen: der Täter stammt aus Amaias Familie.

Die Serienmorde … es gibt da einen Mordfall, der nicht ganz ins Schema passt. Amaia entdeckt einen Trittbrettfahrer … und hier beginnt der nächste Fall: eine weitere Serie, ein weiterer Psycho, eine weitere Besessenheit. Als Amaia immer tiefer in diesen neuen Abgrund eintaucht, entdeckt sie ziemlich bald weitere Verbrechen … weitere Morde, die über Jahrzehnte hinweg begangen wurden.

… und sie erkennt auch die Rolle ihrer Mutter – die keineswegs unschuldig ist.

Wenn wir in der Realität bleiben, gibt es die Leichen und die Mörder, die Fälle. Bei der Untersuchung der Fälle wird Amaia mit einem Netzwerk von Lügen und Verbindungen zu einer eher spirituellen Ebene konfrontiert. Im Tal sind immer noch uralte religiöse Überzeugungen und Rituale lebendig, die mit der katholischen Kirche verwoben wurden. Menschen glauben an die Dämonen und die dunklen Mächte der Vergangenheit, bevor das Christentum überhaupt entstand. Sie organisieren sich in Geheimgesellschaften und Sekten, entdecken für sich alte Opferriten und geben ihnen neue Bedeutung – und sie bevorzugen natürlich kleine Mädchen und Babies, um sie auf ihrem Altar zu opfern. Alles ist verschwiegen und versteckt, aber die Kollateralschäden finden sich dann in der Leichenhalle.

Was ist das? Wahnsinn, Besessenheit, eine Verschwörung – die meisten Täter sind angesehene Mitglieder der Gesellschaft auf einflussreichen Positionen. Sie schließen sich dieser speziellen Sekte an, die Amaia untersucht, und träumen von Reichtum und Erfolg, was gar nicht so abwegig ist, denn alle Mitglieder unterstützen sich gegenseitig. Dieses Netzwerk der Mächtigen schafft es, sich jahrzehntelang von jeglichem Verdacht reinzuwaschen.

Amaia verliert fast ihren kleinen Jungen und riskiert ihre Ehe, als sie versucht, das Töten zu stoppen. Sie ist nicht unempfänglich für einen sehr charmanten Mann … Am Ende aber besiegt sie die Sekte und eine lange Geschichte des Missbrauchs und des Mordens geht zwar zu Ende, doch die Mythen leben weiter und werden wie all die Jahrzehnten an die nächste Generation überliefert.

 

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare