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nick und nora und der dünne mann

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Ich lehnte am Tresen eines Speakeasy in der Fifty-second Street und wartete darauf, daß Nora ihre Weihnachtseinkäufe beendetet, als ein junges Mädchen, das mit drei anderen Leuten an einem Tisch gesessen hatte, aufstand und zu mir herüberkam. Es war zierlich und blond, und ob man sein Gesicht betrachtet oder seine Gestalt in den rauchblauen Sportkostüm, das Ergebnis war gleichermaßen zufriedenstellend.
»Sie sind doch Nick Charles?« fragte sie.

aus: “Der dünne Mann”

Krimi trifft auf Screwball-Komödie

In seinem Roman Der Malteser Falke schuf Dashiell Hammett mit Sam Spade jenen unsterblichen Privatdetektiv, die Blaupause schlechthin für jenen hartgesottenen Privatdetektiv, der sich der Lösung des Mordes an seinem Partner verschrieben hat (oder was-auch-immer-sonst). Die ganz persönliche Verpflichtung, alle Spuren zu verfolgen, alle Geheimnisse aufzudecken und einen Fall lückenlos aufzuklären, sobald der Vertrag mit dem Klienten abgeschlossen worden ist, ist charakteristisch für jeden Detektiv in dieser speziellen Branche, wo es dann auch nicht mehr darauf ankommt, welche persönlichen Nachteile sich ergeben.

Im übrigen: Gibt es irgendjemanden unter euch, der den Filmklassiker Die Spur des Falken mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle nie gesehen hat?

Später schuf er Nick und Nora Charles, die ebenfalls als Privatdetektive tätig sind. Allerdings ist Nora (26) eine Millionärin, die es geschafft hat, Nick (41), einen erfolgreichen, aber armen Privatdetektiv, zu heiraten. Nach seiner Heirat hat sich Nick – sagen wir mal – zur Ruhe gesetzt, obwohl hin und wieder … wenn plötzlich ein Fall auftaucht … Dann beginnen Nick und Nora zu ermitteln. Als Folge dieser gemeinsamen Leidenschaft beginnen beide während ihres Weihnachtstrips nach New York einen Fall zu untersuchen, was speziell Nora in Entzücken versetzt. Die Herausforderung: Eine junge Frau, blond und gutaussehend, ist auf der Suche nach ihrem Vater, der sich in Luft aufgelöst zu haben scheint.

Im übrigen: Gibt es irgendjemanden, der noch nie den Filmklassiker Der dünne Mann mit Myrna Loy und William Powell in den Hauptrollen gesehen hat? Diesen Film, wo der Krimi (fast) zu einer Screwball-Komödie wird?

Ich sage erst einmal ein paar Worte zu dieser Serie. Natürlich hat Dashiell Hammett nur einen einzigen Roman über Nick und Nora geschrieben – und ich würde ihn auch nicht als Krimikomödie bezeichnen, obwohl der Roman mit spritzigen und witzigen Dialogen gefüllt ist.

Es gibt also keine Serie von Kriminalromanen, sondern nur eine Filmserie. Allerdings war der Roman damals in den 30er Jahren durch den herrschenden Zeitgeist mehr als prädestiniert, um verfilmt zu werden.

Dem damaligen Trend folgend, gehören Nick und Nora zu der Gesellschaftsschicht, die das gute und spontane Leben liebt und lebt, in Luxuswohnungen bzw. Hotels übernachtet, Cocktails trinkt, raucht, noch mehr Cocktails trinkt – und Nora ist auf dem gleichen Niveau wie Nick. Sie ist keine unterwürfige, nette kleine Hausfrau, die gerne kocht und putzt usw.

Ich denke, der Erfolg von Nick und Nora ist vor allem auf die Verfilmung des Romans zurückzuführen, was in den nächsten Jahren, in den 30ern und 40ern, zu einer ganzen Reihe von weiteren Filmen führte. (In den 50er Jahren gab es auch noch eine TV-Serie, die aber an mir vorbei gegangen ist.)

Nick ist ein Außenseiter in Noras reicher Familie, obwohl er gerne bereit ist und es auch gern gesehen wird, wenn er diverse Probleme löst, sei es wenn jemand verschwindet oder in ein Verbrechen verwickelt zu sein scheint. Das wird im zweiten Film der Serie deutlich (mit einem ganz, ganz jungen James Stewart).

Im Originalroman – wie auch im Film – untersuchen Nick und Nora das plötzliche Verschwinden eines alten Freundes bzw. Klienten von Nick, dessen Tochter Nick verzweifelt um Hilfe bittet. Nick beginnt, unter Beobachtung (und Einmischung) von Nora parallel zu Happy Hour-Runden, Abendessen und Barbesuchen ein wenig zu ermitteln. Natürlich ist Nick erfolgreich: Er deckt Betrugsfälle auf und andere Gaunereien, Ehebruch und Bigamie … und er stößt auch auf ein paar Leichen.

… und dann is da der Dünne Mann: Es handelt sich um den verschwundenen Vater, der ziemlich groß und ziemlich dünn ist. Der Dünne Mann ist überall und nirgends. Er schreibt Briefe und schickt Telegramme – er scheint sogar zu telefonieren. Allerdings hat ihn seit Wochen niemand mehr persönlich getroffen. Dann wird seine ehemalige Sekretärin bzw. Geliebte wie aus heiterem Himmel ermordet und der Dünne Mann wird sofort zum Hauptverdächtigen. Nick gerät zwischen die Fronten; die Familie des Dünnen Mannes auf der einen Seite und die Polizei daneben.

Kommen wir zurück zu Nick und Nora, unserem brillanten Paar. (Sie haben auch einen Begleiter, Mr. Asta, einen cleveren und süßen kleinen Hund.) Beide mögen das gute Leben und viel Alkohol. Es ist nicht ungewöhnlich, mittags zu frühstücken … bis Mitternacht auf Partys zu gehen und den Rest der Nacht in einem Speakeasy zu verbringen. Irgendwie passen die beiden nicht in das Bild des üblichen US-amerikanischen Paares; sie scheinen viel zu modern und passen eher vielleicht in die 70er Jahre … Mittlerweile ist allerdings das ausufernde Rauchen und Trinken nicht mehr angesagt.

Fühlt sich Nick bzw. fühlen sich Nick und Nora ihrem Auftrag bzw. Auftraggeber wirklich verpflichtet?
Der Roman wirkt leicht und locker, Verbrechen wird von der Gesellschaft gern vertuscht. Nick ist mit Cocktailpartys beschäftigt, trifft alte Freunde aus seinem früheren Leben, denen Polizei und Gefängnis wohlvertraut sind, spricht mit der Familie des verschwundene, mit seinem Anwalt, mit der Polizei. (Die Polizei tappt aber eher im Dunkeln.)

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Nick nicht wirklich daran interessiert ist, den Dünnen Mann aufzuspüren. Doch zwischen all den Feierlichkeiten und Weihnachten stellt er Nachforschungen an und stößt so ganz nebenbei auf eine Menge Ungereimtheiten. Schließlich kommt er dem Schicksal des Dünnen Mannes auf die Spur und löst auch gleich alle Mordfälle.

Irgendwie erinnert mich das an Raymond Chandlers späten Philip Marlowe, der ebenfalls eine Millionärin heiratet und versucht, seine Geschäfte weiterzuführen. Allerdings fehlt hier der komödiantische Aspekt.

Kurz: wenn ihr entspannen und gleichzeitig etwas Spannung erleben wollt, lest einfach den Roman – oder lest ihn noch einmal – und schaut euch den Film bzw. die Filme an.

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare