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Quelle: pixabay

 

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Und schon tauchte Pavel Menk aus der vorderen Koje auf. Er trug einen der pfirsichfarbenen Bademäntel aus seinem Stripclub und hielt einen kleinen Revolver in der Hand.
Binnen einer Hundertstelsekunde feuerte Ludwig zwei Schüsse ab. Den ersten in Brusthöhe, den zweiten wegen des Rückstoßes etwas höher.   …
Pavel starrte auf einen Punkt hinter Ludwig. Aus einem zerfransten Loch in der Wange sickerte das Blut in einem langsamen und gleichmäßigen Rinnsal. Man konnte nie wachsam genug sein. Ludwig trat noch einen Schritt vor und beobachtete den Verlauf.
Der Tod trat ein.   …
Unten am Wasser wusch er sich das Gesicht. Der leichte Gummigeruch, der noch an seinen Händen haftete, erinnerte ihn an den Gummigriff des Hammers, mit dem er vor vierzehn Jahren seinen ersten Mord begangen hatte. Damals war er ein anderer Mensch gewesen, und seine Tat hatte ihm noch Wochen, wenn nicht gar Monate später zu schaffen gemacht. Aber jetzt … Er sah denselben Ekel wie damals, aber er empfand ihn nicht.

aus “West of Liberty”

 

Der schmutzige James B.

Ludwig Licht ist ein Mörder. Er wurde in der DDR zum Agenten ausgebildet und hat für das Ministerium für Staatssicherheit (aka Stasi) gearbeitet. Die CIA hat ihn damals – vor der Wende und dem Mauerfall – erfolgreich angeworben; er wurde zum Doppelagenten. Nach der Wende gab es für ihn keine Aufgaben mehr; ihm blieb nichts anderes übrig, als ab und zu als Freelancer dreckige Aufgaben für die CIA zu erledigen und sich privat selbstständig zu machen: mit einer Bar, einem Restaurant, einem Bistro … wie auch immer.

Natürlich geht das alles irgendwie schief … immer wieder … Als Ludwig Licht sich Geld zur Überbrückung schlechter Zeiten ausgerechnet bei der Ostblock-Mafia leihen muss, gerät er in ihr Netz. Schließlich sieht er keinen Ausweg als einen brutalen Schlusstrich zu ziehen.

Ich, Marlowe, habe Ludwig Licht über die aktuelle Verfilmung von “West of Liberty” kennengelernt. Danach habe ich erst das Buch gelesen und festgestellt, dass sich die Verfilmung eng an den Roman hält. Der erste Teil der Ludwig-Licht-Saga spielt natürlich in Berlin, einem schmutzigen, rasanten Berlin, in dem nicht Recht und Gesetz, sondern Gewalt, Verbrechen und Anarchie herrschen – zumindest in den Vierteln von Berlin, in denen sich Ludwig bewegt. Zum Gesamtbild gehören natürlich auch die verschiedenen Geheimdienste, soweit sie noch in Berlin ansässig sind. Nicht alle halten Berlin zwei Jahrzehnte nach der Wende für einen Brennpunkt der Weltpolitik wie damals im Kalten Krieg.

Inzwischen sind die Grenzen von Spionage und Verbrechen fließend und Ludwig versucht zu schwimmen und den mörderischen Klippen auszuweichen – ob Geheimdienste, ob Ostblock-Mafia.

Wie geht es für ihn weiter?

Ludwig hat nach wie vor Kontakte zu der CIA. Er bekommt Aufträge und erfüllt sie, wenn die Kasse stimmt. Dabei geht er über Leichen. Mag sein, dass die Motivation eines James Bond edler ist, aber am Ende schießen sich beide den Weg frei und hinterlassen massiven Kollateralschaden.

Es mag auch sein, dass James Bond in einer integren Organisation arbeitet. Die CIA des Ludwig Licht ist ein Haufen karrieregeiler und machtbesessener Chefs, die vor allem ihre eigenen Interessen voran bringen möchten, wobei dies nicht immer die Interessen ihres Heimatlandes sind. Schon im ersten Roman der Serie wird dies deutlich, wenn ein regionaler CIA Häuptling einen Verräter stellen will … weil er nicht weiß, dass der Verräter eigentlich gar kein Verräter ist … Es kostet ihn seinen Kopf, aber er fällt weich und mischt auch in Zukunft munter mit. Und auch in Zukunft erinnert er sich an Ludwig Licht, wenn es etwas zu klären gibt, was zu schmutzig ist.

Was wäre unsere Welt in den Spionagethrillern, wenn es keine CIA gäbe? Allein die kruden Machenschaften dieses Vereins, wo die Rechte oft nicht weiß, was die Linke gerade treibt, wo es ausgeklügelte Operationen gibt, die an kleinen Fehlern scheitern und wo jeder seine Macht skrupellos nutzt, sorgen für genug Action in jedem Roman, in dem die berüchtigten drei Buchstaben auftauchen. (Ich beziehe mich hier natürlich nur auf die schöne welt der Literatur: Die CIA ist der Gute, der Böses tut und an sich selbst scheitert, bis endlich ein Retter aus dem Haufen auftaucht und …)

Wir haben es hier nicht mit betulichen Spionagegeschichten zu tun. Seit dem Kalten Krieg hat sich die Welt verändert, erst recht seit 9/11. Globalisierung und Digitalisierung sind neue Spielergrößen im Geschehen, fordern Beachtung und laden ein, missbraucht zu werden. Diese neuen Spielzeuge verselbstständigen sich schnell und die Kontrolle entgleitet. Realistisch gesehen scheint immer alles eine Nummer zu groß – für die CIA und ihre Partner, für die Polizei und Kriminellen und erst recht für Ludwig Licht, der froh sein kann, wenn er mit einigermaßen heiler Haut entkommt.

Ludwig ist mittlerweile immerhin Mitte bis Ende fünfzig und wird langsam alt; er hat den Kalten Krieg als Doppelagent überlebt, war verheiratet und hat einen inzwischen erwachsenen Sohn, der mit seiner Familie ein Art sorgenfreies Aussteigerleben auf dem Lande zu führen scheint und ansonsten mit seinem Vater nicht viel zu hat bzw. haben möchte. Ludwig ist vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Auch wenn die CIA sehr mächtig ist, muss diese Organisation vorsichtig agieren. Ihre Aktionen werden hinterfragt. Vieles kommt inzwischen an die Öffentlichkeit, was eigentlich unter Verschluss bleiben sollte. Da die CIA bzw. diverse Chefs innerhalb der Organisation aber immer wieder die Notwendigkeit sehen einzugreifen, brauchen sie Freelancer wie Ludwig Licht, die nicht viele Fragen stellen und einfach handeln. Durch seine Vergangenheit und seine Erfahrungen ist Ludwig ein durchaus wertvolles Gut, das nicht unbedacht agiert, dem aber keine offizielle Beziehung zur CIA nachzuweisen ist.

Entsprechend führen die Abenteuer Ludwig Licht vom ehemaligen Brennpunkt des Kalten Kriegs (aka Berlin) in die USA direkt ins Zentrum der Macht (aka Washington) und in einen Sumpf aus Terroristen, Spionen und Retro-Freiheitslämpfern (aka Florida) … und schließlich endet er im desolaten Ostblock, in einem der ehemaligen Satelliten der UdSSR. Überall wird gekämpft und gemordet, nicht nur für politische Ziele, sondern es geht eher um Macht, um Geld, um Geschäfte.

Wir haben hier eine Serie von Spionageromanen, die das Bild der Spions aus dem Kalten Krieg locker ins 21. Jahrhundert transferiert haben. Hat Ludwig Licht eine Lizenz zum Töten? Nein, natürlich nicht, braucht er auch nicht, denn er wehrt sich nur seiner Haut – manchmal auch prophylaktisch. Wenn sich ihm ein potentielles Killerkommando zu nahe kommt, schießt er vorsichtshalber erst einmal, ist aber klug genug, alle Schäden zu beseitigen bzw. schnell beseitigen zu lassen.

 

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare