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kommissar kostas charitos, athen

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Es ging bestimmt um den Albaner. Man hatte ihn um das Haus schleichen sehen, in dem wir letzten Dienstag das erschlagene Ehepaar aufgefunden hatten. Den ganzen Morgen über hatte die Haustür offengestanden. Doch keiner hatte sich die Mühe gemacht, einen Blick hineinzuwerfen. Was gibt es auch in einem verliesartigen Rohbau zu holen, wo das eine Fenster unverglast und das andere mit Brettern vernagelt ist? Schließlich faßte sich gegen Mittag eine neugierige Nachbarin, die die sperrangelweit geöffnete Tür beobachtet hatte, ein Herz. Sie brauchte etwa eine Stunde, um uns zu verständigen, da sie zwischendurch immer wieder in Ohnmacht fiel. Als wir eintrafen, waren gerade zwei Frauen dabei, ihr Wasser ins Gesicht zu spitzen. So wie man es mit Fischen macht, damit sie fangfrisch aussehen.
Eine nackte Matratze war auf dem Zementboden ausgebreitet. Darauf lag eine ungefähr fünfundzwanzigjährige Frau. An ihrem Hals klaffte eine Schnittwunde, die wie ein aufgerissener blutender Mund aussah. Ihre rechte Hand war in die Matratze verkrallt. Die Farbe ihres Nachthemds war nicht mehr zu erkennen. Es war blutüberströmt. Der Mann neben ihr war vielleicht fünf Jahre älter. Er war vornübergestürzt, und sein Brustkorb ragte über die Matratze hinaus. Sein Augen schienen auf einen Kakerlak zu starren, der in diesem Augenblick in aller Gemütsruhe vorbeimarschierte. Er hatte fünf Messerstiche im Rücken: drei aufeinanderfolgende waagerechte, von der Höhle des Herzens in Richtung der rechten Schulter über den Rücken verteilt, und zwei senkrechte, als ob der Mörder ihm den Buchtaben >E< für sein Ende in den Rücken ritzen wollte. Die ganze Behausung sah aus, als wären ihre Bewohner von einer Hölle in die nächste unterwegs. Ein Klapptisch, zwei Plastikstühle und eine Gasflasche mit einer Kochflamme.
Zwei erschlagene Albaner sind für die Fernsehsender nur von Interesse, wenn die Schlächterei sich gut fotografieren läßt und den Leuten ordentlich Brechreiz verursacht, bevor sie sich um neun zum Abendessen setzen. Früher gab es Sesamkringel und Griechen. Heute Croissants und Albaner.

aus: Hellas Channel

Nicht ohne Kaffee und Croissant

Kostas Charitos ist Kriminalkommissar und Leiter eines Teams, das Mordfälle (und andere Schwerverbrechen) in Athen untersucht. Er macht seine Arbeit gut und hat eine hohe Aufklärungsrate. Dennoch scheint er schon seit einigen Jahren am Ende seiner Karriere angekommen zu sein, obwohl er noch nicht pensionsreif ist. (Zu Beginn der Serie dürfte er so etwa Mitte bis Ende vierzig sein; in den folgenden Romanen altert er vielleicht um etwa zehn Jahre, was nicht parallel zu den Veröffentlichungen geschieht.)

Was macht Charitos falsch? Er ist immer bemüht, seine Fälle aufzuklären- und dabei nimmt er keine Rücksichten. Er sucht die Wahrheit, den Täter … und es spielt für ihn keine Rolle, wer es ist. Im Dschungel der griechischen Bürokratie, zwischen Großindustriellen und erfolgreichen Mittelständlern und im politischen Sumpf macht sich niemand beliebt, der nicht bereit ist, sich tannend wann einfach zurückzulehnen, nur ruhig zuzuschauen, sich zurückzuhalten, zu schweigen, Ruhe zu geben … Natürlich ist Charitos unbestechlich.

Charitos hat zu Beginn seiner Laufbahn bei der Polizei noch das Obristenregime erlebt und für die Junta gearbeitet, wenn auch nur im Fußvolk. Inzwischen steckt Griechenland in Schwierigkeiten, rutscht von einer wirtschaftliche Krise in die nächste, die Arbeitslosigkeit auch unter jungen Akademikern, zu denen auch Charitos Tochter zählt, ist hoch – es sieht so aus, dass der griechische Staat kurz vor dem Zusammenbruch steht. Erst in den letzten Bänden der Serie wird es wieder heller am Horizont.

Charitos Ermittlungen spielen immer vor dem Hintergrund der griechischen Staatsmisere. Ihre Auswirkungen auf das tägliche Leben werden in die Romane eingearbeitet, wobei es sowohl die armen als auch die reichen Griechen trifft – und natürlich den breiten Mittelstand der Bevölkerung. Allen gemeinsam ist, dass eigentlich überall und immer ein gewisser Geschäftssinn vorhanden ist, der manchmal seltsame Blüten treibt und zu mehr oder weniger schweren Verbrechen führt, die manchmal sogar auf Charitos Schreibtisch landen.

Wie sieht Charitos Leben aus? Morgens begibt er sich in sein Büro und genießt erst einmal einen Kaffee und ein Croissant. Dann widmet er sich der Zeitungslektüre, wird vielleicht zu seinem Chef gerufen – oder er arbeitet mit seinem Team an einem Fall. Dann allerdings verteilt er gern Aufgaben und sucht für sich selbst eine lukrative Beschäftigung aus. Er hat einen Riecher für die Lösung, auch wenn die manchmal lange aus sich warten lässt.

Manchmal gibt es ein Mittagessen, manchmal auch nicht. Charitos kann sicher sein, dass seine Frau Adriani für ihn immer ein leckeres Abendessen zubereitet hat. Adriani kann hervorragend kochen. In den ersten Romanen – 90er Jahre – ist das Verhältnis zwischen Kostas und Adriani unterkühlt. Kostas verhält sich oft wie ein Macho. Später relativiert sich dies alles … Kostas entpuppt sich als liebender Familienvater und respektiert Adriani.

Die Romane sind in der Ichform geschrieben: Kostas Charitos erzählt von Anfang bis Ende alles aus seiner Sicht. Bewundernswert ist seine detaillierte Kenntnis von Athen und dem Athener Straßenlabyrinth, das er immer wieder meistert.

Charitos spezielle Sorge gilt seiner Tochter Katerina, die zur Juristin heranreift. Er und seine Frau tun alles für ihr einziges Kind. Schließlich stößt Fanis, ein Mediziner, hinzu, der als Schwiegersohn nach einer ganzen Weile akzeptiert wird. Charitos kleines Universum wächst im Laufe der Serie weiter: da ist die Kanzleipartnerin von Katerina und deren Mann, da ist Sissis, ein Altkommunist, den Charitos noch aus den Zeiten der Junta kennt. Damals gehörte Sissis zu den politischen Häftlingen und Charitos zu den Bewachern. In den letzten Romanen segeln sie alle gemeinsam durch die Kriminalfälle.

Natürlich beginnt alles immer mit einer Leiche. Auch wenn es auf den ersten Blick manchmal nicht so scheint, handelt es sich um Mord. Und es folgen immer weitere Leichen. Charitos kämpft sich durch. immer wieder gibt es Bekennerschreiben zu einzelnen Toten – Bekennerschreiben, die von ominösen griechischen Vereinigungen stammen. Diese Vereinigungen töten oder lassen töten, wie es scheint. Charitos deckt immer auf, wer am Ende die Fäden zieht und erfährt, dass oft ganz private Gründe der Auslöser sind. Und natürlich stößt Charitos hier immer wieder auf die Verfilzung von Politik und Wirtschaft, die ihre ganz eigenen Interessen verfolgt und sich des Staatsapparats nach Belieben bedient.

…und übrigens: Charitos einziges Hobby ist es, in Lexika zu lesen.

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare