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der zeitlose richard jury

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Quelle: pixabay

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Williamson sagte: »Oswald war während des Krieges in Bletchley Park. Und zwar richtig mittendrin, sehr hoch oben. Ich nicht ganz so hoch, meine Arbeit war im Vergleich dazu Kleinkram. Ihr Name fiel – das heißt, Sie kamen ihm in den Sinn, als ich ihn eines Abends in Chelsea besuchte. Es geht um meine Frau, Tess.»
»Ihre Frau?« Jury schaute über die Schulter, eine ziemlich dumme Geste, als rechnete er damit, hinter ihren Sesseln Tess vorzufinden.
»Sie ist tot.«
Irgendwie hatte Jury es schon geahnt, als er sich gerade suchend nach ihr umgesehen hatte.
»Vor siebzehn Jahren.« Er machte eine lange Pause, als würde er jedes einzeln abzählen. »Wir hatten – wir haben es immer noch – ein Haus in Devon, sehr groß, eigentlich zu groß für uns. Mit Wald, weitläufiger Gartenanlage, so in Stufen angelegt und im Stil ziemlich italienisch. Zu viel Arbeit, obwohl wir schon seit vielen Jahren einen Gärtner haben. Tess interessierte es eigentlich gar nicht, den Garten, wie man so schön sagt, wieder in seine alte Pracht zurückzuversetzen. Sie mochte seine ungestüme Wildheit. Tess hatte etwas Romanisches an sich.» …
Das ignorierte Melrose und ging weiter. »Dann fahren Sie morgen also nach Exeter? Grüßen Sie Brian Macalvie von mir.«
»Mach ich.« Beim Mittagessen hatte Jury ihm vom Tod von Tess Williamson berichtet. »Ihr Ehemann will, dass ich mir das Haus ansehe, Laburnum.»
»Lateinisch für Goldregen. Ein Name also, der auf Gift hindeutet. Wenn es mir gehören würde, ich würde ihn ändern.«
»Da bin ich mir sicher. Sie ändern ja ständig Ihren Namen.»
«Sehr witzig.»

aus: Inspektor Jury und die Frau in Rot

Eine kleine Welt für sich

Richard Jury ist zwischen vierzig und fünfzig – und seit etwa vierzig Jahren bleibt er zwischen vierzig und fünfzig … nähert sich vielleicht Anfang 50. Das Gleiche gilt für alle Menschen um ihn herum: Sie bleiben fast unverändert, verglichen mit ihrem ersten Auftritt in der Serie. Sie bilden eine kleine Gruppe von Akteuren, die Jury begleiten, wann immer er sich aufmacht, um einen Mord oder das Schicksal einer vermissten Person zu untersuchen.

Jury arbeitet bei Scotland Yard und sein Detective Sergeant Wiggins schwimmt in seinem Kielwasser. Mit seinem Chef, Chief Super Racer, einem Egomanen, versteht er sich nicht so gut, aber Racers Sekretärin Fiona unterstützt Jury immer. (… und ich vergesse auch nicht zu erwähnen, dass es auch noch einen Kater in den Räumlichkeiten von Racers Büro gibt, der Racer immer wieder aufs Korn nimmt.) Daneben gibt es noch etliche gute Freunde/Kollegen bei der Polizei in England, die Jury immer gerne helfen bzw. ihn um Rat fragen.

Der Inspektor lebt in einer kleinen Wohnung in London und hat spezielle Beziehungen zu seinen Nachbarn aufgebaut, vor allem zu einer jungen, attraktiven Frau namens Carole-Ann, die gerne mit praktischen Tipps hilft, wenn Jury mit Beweismitteln z. B. in Sachen Mode etc. verunsichert ist. Es gibt auch einen Überlebenden der Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs, um den sich Jury mit besonderer Achtsamkeit kümmert.

Kommen wir nun zur illustren Entourage … Melrose Plant (Lord Ardry, Earl of Caverness – er hat alle seine Titel aufgegeben!) ist reich, gut erzogen und gebildet. Er lebt auf einem Landsitz, unterhält eine Dienerschaft und ist der Anführer der Long Piddleton Gang, ein paar gut situierte Leute, deren Hauptaufgabe eines jeden Tages darin zu bestehen scheint, im örtlichen Pub zur Happy Hour zu erscheinen. Er hat auch noch ein wenig Familie: eine extrem unhöfliche und nervige Tante (angeheiratet!), die gerne Melroses Erbin werden möchte … eher früher als später. Sie alle leben zusammen in Long Piddleton bzw. irgendwo in der Nähe dieses malerischen Dorfes.

All diese Leute aus Long Piddleton, die um Jury herumschwirren, genießen ihr Leben, versuchen Spaß zu haben (oder was auch immer) und mischen sich in jede Ermittlung ein, die Jury bearbeitet. Abgesehen davon gibt es nicht viel Abwechslung oder Ablenkung in ihrem Leben; sie sind zwar immer mit einer Idee oder was-auch-immer beschäftigt, aber es passiert niemals etwas, was alles verändert oder verändern könnte.

Die Fälle von Jury … Das Zitat zu Beginn zeigt eine typische Szene für den Beginn einer Untersuchung. Es scheint überall diese Old-Boy-Netzwerke zu geben – immer, Familienclans, Oxbridge-Beziehungen … und ich erinnere mich sehr gut daran, dass diese gesellschaftlichen Verflechtungen immer eine wichtige Rolle in den Fällen spielen – und nicht zu vergessen der englische Adel. Im Hintergrund ziehen sie alle die Strippen – welche Strippen auch immer wichtig sind. In gewisser Weise lassen die Romane ein England wieder aufleben, das gerade im Ausland bei den Lesern klassischer englischer Krimis sehr beliebt ist.

Zurück zu den Fällen: Alle Fälle haben mit Mord bzw. Mordfällen zu tun. Es gibt immer ein verworrenes Netz von Lügen; die Wahrheit liegt meist tief in der Vergangenheit begraben. Jury muss herumwühlen, mit vielen Leuten reden … bis er einen Hinweis bekommt. Natürlich löst er seine Fälle immer, auch wenn der Übeltäter eine sehr, sehr clevere Person ist.

Sein Freund Melrose ist immer dabei – zumindest kann ich mich an keinen Roman erinnern, in dem Melrose nicht mitgemischt hat. Beide haben sich in der allerersten Folge der Serie kennengelernt. Beide sind ungefähr im gleichen Alter und beide sind Single. Frauen: Beide mögen Frauen und auch die Frauen mögen sie. Leider entwickelt sich nie eine Beziehung daraus, die ein paar Wochen oder Monate überdauert; außerdem sind einige Frauen, mit denen Melrose gerne eine Affäre beginnen würde, in Jury verliebt … oder umgekehrt. So teilen sich die beiden Männer ein trauriges Liebesleben.

Einige Aspekte des modernen Lebens haben inzwischen Einzug in Jurys Welt gehalten, z. B. ein Handy und Computer. Auch eine Tatortuntersuchung auf die wissenschaftliche Art scheint ab und zu im Hintergrund stattzufinden. Im Allgemeinen verlässt sich Jury aber auf seine altbewährten Ermittlungsmethoden, d. h. er spricht mit Leuten, folgt subtilen Hinweisen, zieht seltsame Schlüsse und holt sich manchmal Hilfe von Informanten mit einem eher halbseidenen Ruf.

Seine Fälle sind spannend und komplex. Jury und sein Freund Melrose, der Adlige, sind ein lockeres Team mit viel gegenseitigem Respekt für- und Vertrauen ineinander. Die ganze Entourage – ob in London, ob in Long Piddleton – rundet das Ganze ab. Es gibt immer wieder lächerliche Manöver, obskure Ansichten über alles, was das tägliche Leben betrifft, humorvolle Einlagen, die die Romane auflockern.

Die kleine perfekte Welt von Richard Jury wird nicht aufhören zu existieren. Es wird neue Fälle geben, es wird auch neue Ideen geben, die aus der Long Middleton Gang heraus entstehen und schlicht für Unterhaltung sorgen.

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare