dcs mike walker, kettenraucher

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Quelle: pixabay

 

 

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Ist der Angeklagte schuldig oder nicht schuldig des Mordes?

Frage an die Geschworenen in fast jeder Episode

 

Über Karrieren bei der Polizei

Mike Walker ist Polizist. Er begann vor Jahren ganz unten, hat es inzwischen zum DCS, zum Detective Chief Superintendent, gebracht und er hat bereits den nächsten Karriereschritt ins Auge gefasst: Commander. Aktuell ist er Leiter der Mordkommission, verantwortlich für alle Gewaltverbrechen in einer großstädtischen Region. Er ist immer schnell dabei, Anklage gegen Verdächtige zu erheben, gegen jeden Verdächtigen, von dem er denkt, dass er der Täter sein könnte. Der eine oder andere Ermittlungserfolg beruht jedoch schon mal darauf, dass das Gesetz gebeugt wird, Beweise manipuliert werden oder verschwinden und vieles andere mehr. Manchmal ergeben sich aus wirren, komplexen Situationen sogar Gelegenheiten für persönlichen Profit, dem Walker nicht widerstehen kann.

Ich, Marlowe, war begeistert, als wir die TV-Serie Trial & Retribution (aka Der Preis des Verbrechens) in den letzten Wochen noch einmal angeschaut haben. (Ganz ehrlich: Es war an manchen Abenden reines Binge-Watching … Wenn man allerdings bedenkt, dass wir in Zeiten von Corona leben …) Im Durchschnitt ist die Serie etwa zwanzig Jahre alt, was bedeutet, dass uralte Mobiltelefone aktiviert werden, Datenbankrecherchen von untergeordneter Bedeutung sind und die DNS-Analyse noch in den Kinderschuhen steckt, dass es kaum Überwachungskameras gibt … Die Polizei trampelt durch die Szenerie und schnappt sich jeden, der verdächtig scheint.

Es ist eine harte Welt mit entschlossenen Polizeibeamten, die inmitten des Chaos auch für Ordnung in ihrem eigenen Stall sorgen müssen, d. h. berufliche Fehlverhalten muss möglichst komplett unter den Teppich gekehrt werden. Glaubt mir – es gibt eine Menge davon! Am Ende des Tages: wer ist wirklich unschuldig im reinsten Sinn des Wortes?

Ist Mike Walker ein Held?

Hier wird es schwierig. Walker versucht immer, seine Fälle zu lösen, aber er geht dabei auch manchmal über Leichen. Um ehrlich zu sein: Er ist wirklich daran interessiert, den Verdächtigen festzunageln, aber oft verfolgt er naheliegende Spuren, die nicht sehr fundiert sind. Die Episoden enden – in der Regel – mit einer Gerichtsverhandlung, und ihr könnt den englischen Anwälte mit ihren weißen Perücken zusehen – und den Geschworenen, die über das Schicksal des Angeklagten entscheiden. Das Ergebnis hängt natürlich von der Beweislage ab, aber auch von den Fähigkeiten des Anklägers und der Verteidiger.

Walker ist verheiratet und hat zwei Kinder, als die Serie beginnt. Er beginnt eine Affäre, lässt sich scheiden, die Affäre zerbricht im täglichen Einerlei und Stress … Seine Geliebte ist Detektive Inspector (DI) Pat North, eine Kollegin mit einem geradlinigeren Charakter als Walker. In den ersten Folgen der Serie ist ihre Beziehung so wichtig wie die Ermittlungen. Irgendwann taucht plötzlich Walkers Bruder auf, der am Rande der Legalität agiert bzw. schon immer dem kriminellen Milieu zugetan war und für Ärger sorgt. Schließlich erschießt Walker einen Mann, einen Stalker, einen gefährlichen Psychopathen, der zufällig die neue Liebe und Möchte-gern-Partner von Walkers Ex-Frau ist, die allerdings von ihrem neuen Liebhaber mehr als einmal böse zusammengeschlagen wird. Walker muss vor Gericht, aber er kommt davon … (Ihr wisst schon, was ich meine!). Sein Bruder hat ihn in der Verhandlung im Stich gelassen, aber Pat North steht ihm zur Seite – danach trennen sie sich.

Walker ist jetzt auf sich allein gestellt und seine finanziellen Mittel sind knapp bemessen. Natürlich bedient er sich, als sich eine Gelegenheit bietet … Später allerdings bemüht sich Walker nach Kräften,  jeglichen Versuchungen zur widerstehen.

Nach dem Weggang von DI North tritt DCI Róisín Connor auf die Bühne, eine karrieregeile, berufene und mit allen Wassern gewaschene Polizistin. Während DI North ein Gegenpol zu Walker war, ist DCI Connor aus dem gleichen Holz geschnitzt. Das ergibt eine explosive Mischung, aber beide denken immer zuerst an ihre Karriere, überwinden mühsam ihre Differenzen und arbeiten schließlich zusammen. Obwohl beide Singles sind, geraten sie nie in Versuchung, eine Beziehung aufzubauen.

So ist nicht nur Walker ein zwielichtiger Held, Connor ist ebenso verschlagen. Während einer ihrer ehrgeizigsten Untersuchungen wird durch ihre Schuld eine Informantin zusammengeschlagen und schwer verletzt. Ein anderes Mal wird sogar eine Kollegin wegen Connors Vorgehen zur Entlarvung eines Serienmörder zum Opfer und überlebt nur so eben. Kurz gesagt: Es gibt in dieser Serie keine wahren, untadeligen Helden.

Die Fälle reichen von Mord und Totschlag bis hin zu Entführung, Misshandlungen aller Art, Raub … von städtischen Sozialbauten bis in Vorstädte mit gepflegten Gärten und zu den Villen der Upperclass. Es gibt keine Folgen, die das idyllische britische Landleben widerspiegeln, wo ein Kriminalkommissar mit seinem Assistenten, durch wunderschöne Gartenlandschaften fährt, kleine, malerische Dörfer besucht und bedächtig mit Verdächtigen plauscht – alles nimmt immer im Getöse, im Dreck und Schmutz der Großstadt seinem Lauf. Aber ihr könnt euch darauf verlassen, dass es bis zu den letzten Minuten vor Gericht immer spannend und aufregend ist.

 

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare