kommissarin pia korritki, alleinerziehend mit beziehungsproblemen

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Quelle: pixabay

 

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„Pia Korritki gehörte seit nunmehr elf Wochen zur Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Lübeck. Anfangs war sie zuversichtlich gewesen, früher oder später in der neuen Abteilung akzeptiert zu werden. Die Wochen waren jedoch vergangen, ohne dass sich an ihrem Status des „Geduldetwerdens“ etwas gebessert hätte. Inzwischen dachte Pia mit einem Anflug von Galgenhumor, dass es leichter wäre, Aufnahme in der Fußballnationalelf zu finden, als in diesem Kommissariat akzeptiert zu werden.   …
Als sie jedoch an Broders vorbeiging, der die Mitte des Raums für sich beanspruchte, zischte dieser ihr leise zu:
« Hau bloß wieder ab, Schätzchen! Du wirst es hier nie schaffen.»”

aus: „Kalter Grund”

 

Eine junge Frau, eine Männerwelt und die düsteren Geheimnisse der einsamen Ostseeküste

An der Ostseeküste ist viel los und die Kripo aus Lübeck hat immer alle Hände voll zu tun – also sollte man meinen, dass jede Verstärkung des Teams mit Begeisterung begrüßt wird. Dies ist aber leider nicht so, wie Pia Korritki, zugegebenermaßen noch recht jung, am eigenen Leib erfahren muss, denn sie ist nur eine Frau. Die Kriminalpolizei, speziell die Mordkommission, ist eine Männerdomäne, wie offensichtlich alle Kollegen meinen – und Frauen sollten sich eher mit Akten ablegen, Protokolle schreiben und Kaffee machen beschäftigen.

Pia sieht das anders und bleibt immer am Ball: koste es, was es wolle. Ob Leichen auf einem alten Bauernhof auftauchen, an einem See angespült werden oder von Schiffen über Bord gehen, Pia möchte immer mitmischen und streckt sich zur Decke, um mit den großen Jungs spielen zu dürfen. Das hat natürlich seinen Preis.

Ich, Marlowe, möchte zuerst etwas über den Ablauf der Serie sagen. Pia Korritki arbeitet sich seit mittlerweile etwa acht Jahren durch die Ostseelandschaft und ihre Kriminalfälle. Publiziert wurden die Romane über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren. Also liegt zwar eine Chronologie vor, aber in den Romanen laufen die Uhren etwas langsamer.

Pias Probleme mit den männlichen Kollegen erweisen sich als zäh und andauernd. Der Chauvinismus ist in voller Blüte, als sie als Kriminaloberkommisarin in Lübeck beginnt. Auch ihre ersten Ermittlungserfolge ändern nur wenig. Sie wird recht schnell zur Kriminalhauptkommissarin befördert – ich denke, von diesem Zeitpunkt an wird es für sie in der Männerwelt etwas leichter.

Schließlich wird ihr ein paar Jahre später sogar die Leitung des Dezernats angeboten, was sie aber aus privaten Gründen ablehnt. Womit wir beim äußerst interessanten Privatleben von Pia Korritki wären.

Wie hat das alles angefangen?

Mit siebzehn, achtzehn arbeitet Pia als Au-pair in Portugal und verliebt sich in einen Polizisten aus Deutschland. Sie kehrt nach Deutschland zurück und beginnt eine Ausbildung bei der Polizei. Schließlich startet sie mit Mitte zwanzig in Lübeck bei der Kriminalpolizei durch: gleich in der Mordkommission.

In den nächsten Jahren laufen ihr einige Männer über den Weg, manche aus der Polizeiwelt, manche nicht. Pia verliebt sich, Pia schwärmt, Pia hat One-Night-Stands und Pia bekommt ein Kind, einen Sohn, Felix. Sie wird zur alleinerziehenden Mutter, deren Beruf es für sie nicht gerade einfach macht, sich immer um ihren kleinen Sohn so kümmern zu können, wie sie es gern tun würde. Pia muss immer wieder die Balance zwischen ihrem fordernden Beruf und ihrem aufreibenden Privatleben suchen, aber sie findet sie auch. Zu Beginn pflegt sie zwar noch ihr Hobby Malerei, aber später geht das wohl zugunsten Felix unter.

Mit Felix’ Vater verbindet sie eher Freundschaft, aber keine Liebe. Die beiden werden also niemals ein Paar. Schließlich lernt sie jemanden kennen, den sie liebt und der sie und ihren Sohn liebt, aber nur um ihn tragisch zu verlieren. Und zwischendrin sind viele kleine Bekanntschaften und Liebschaften, die manchmal auch nach hinten losgehen – aber Pia ist tough.

Ihre Familie ist ihr nicht gerade eine Hilfe: Mutter, Stiefvater, Halbbruder und -schwester und deren Ehepartner sind eher distanziert. Es wird noch schlimmer, denn ihre Familie wird in einen Kriminalfall verwickelt, den Pia bearbeitet … und damit ist es noch nicht ausgestanden. Die Familie ist eher ein Stressfaktor in Pias auch sonst schon recht stressigem Leben und kein Fels in der Brandung, auf dem sie Zuflucht suchen kann.

Pias Privatleben spielt in allen Romanen eine Rolle und liefert zusammen mit den Kriminalfällen ein facettenreiches Gesamtbild. Mag Pias Leben meist nicht recht einfach sein und logistische Klimmzüge verlangen, wenn sie abends feststellt, dass ihr Kühlschrank leer ist, oder der Babysitter kurzfristig absagt, so lebt Pia doch immer in der Gegenwart und kämpft mit Realitäten. Ihre Mordfälle dagegen …

An der Ostseeküste gibt es viele kleine Dörfer, idyllische Dörfer, aber auch runtergekommene Bauernhöfe, einsame Villen, hoch verschuldete Menschen, die seit Jahrzehnten darum kämpfen, das Familienerbe zu erhalten. Die Vergangenheit und die Herkunft hat hier auf dem Land immer noch große Bedeutung. Familienfehden werden über Jahrzehnte gepflegt. Schwarze Schafe gibt es in jeder großen Familie. Erbstreitigkeiten sind an der Tagesordnung. Missbrauch in Familien wird verschleiert.

Pia trifft in vielen Ermittlungen auf verschlossene Dorfgemeinschaften, die schweigen. Auch wenn aktuell ein Verbrechen vorliegt oder gar ein Kind vermisst wird, scheinen die Prioritäten für viele Ortsansässige woanders zu liegen. Oft kommen Verbrechen aus der Vergangenheit ans Licht und führen zu neuen Verbrechen, weil Menschen meinen, sie müssen das Gesicht wahren.

Aber gerade diese Mischung in der doch recht einsamen Ostseelandschaft macht die Romane interessant, abgesehen davon, dass Pias weitere Entwicklung natürlich auch neugierig macht. Pia entwickelt in ihren Fällen, die sie natürlich niemals allein bearbeitet, meist recht schnell eine Ahnung, worum es geht. Sie hat das berühmte Bauchgefühl und macht sich auf den Weg, um den Täter zu stellen.

Und hier liegt immer ein Problem: Pia ist eine Einzelgängerin, die gern allein von den bekannten Ermittlungspfaden abweicht, um ihre Theorien zu prüfen und zu beweisen. Dies bekommt ihr oft nicht gut, und sie muss immer wieder gefährliche Situationen durchleben und Verletzungen auskurieren. Ihre Alleingänge sind gerade in den späteren Bänden fragwürdig, denn sie liebt ihren kleinen Sohn über alles und scheint nicht zu realisieren, in welche Gefahr sie sich durch ihre spontanen Entscheidungen bringt. Immer wieder, wenn sie mit dem Kopf durch die Wand will und ihre Vermutungen beweisen will, stößt sie ihre Kollegen vor den Kopf, macht sich dann allein auf den Weg … in der Hoffnung, dass schon nichts passieren wird und dass sie den Fall löst. … und ihre Fälle löst sie immer.

 

… und zum Schluss:
Wann kommt der nächste Band?
Es lohnt sich, die Bände von Beginn an zu lesen …

 

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a faint cold fear thrills through my veins ... william shakespeare